Der Eismeister
Grundlagen: Schlittschuhe schleifen
1. Was ist Schleifen?
Beim Schleifen von Schlittschuhkufen wird Material von der Unterseite der Kufe abgetragen, um zwei präzise, scharfe Kanten zu erzeugen. Anders als bei einem Messer ist die Lauffläche eines Schlittschuhs nicht spitz, sondern weist in der Regel eine Vertiefung (den Hohlraum) zwischen einer Innen- und einer Außenkante auf.
2. Warum Kufen geschliffen werden müssen
Ein präziser Schliff ist die Grundlage für Sicherheit und Kontrolle. Durch die Nutzung auf dem Eis sowie Kontakte mit harten Oberflächen nutzen sich die Kanten ab oder werden stumpf. Ein regelmäßiger Schliff stellt die Symmetrie wieder her, reduziert den Kraftaufwand beim Laufen und sorgt dafür, dass die Kufe bei Kurven und Stopps sicher in das Eis greift.
3. Die Funktion der Kanten und des Hohlraums
Grundsätzlich brauchen alle Schlittschuhkufen scharfe Kanten, um stabil über das Eis zu gleiten. Jede Kufe hat zwei Kanten: eine Außen- und eine Innenkante. Scharfe Kanten alleine reichen jedoch noch nicht aus. Eine Kufe mit rechtwinkligen (90 Grad) Kanten würde so lange seitlich wegrutschen, bis der Eisläufer sie mit ca. 45 Grad geneigt hat. Erst dann würde eine gewisse Griffigkeit eintreten.
Damit die beiden Kanten nun aus jeder Position in das Eis schneiden können, befindet sich zwischen ihnen ein Hohlraum. Dieser Hohlraum ist tatsächlich nur für die Kantenschärfe verantwortlich. Er hat nichts mit einem Wasserfilm zu tun, der unter ihm hindurchfließen muss, damit die Kufe gleiten kann. Die Schlittschuhkufe würde auch ohne diesen Hohlraum durch den Druck des Körpergewichts einen Wasserfilm zwischen Eisfläche und Kufe erzeugen und könnte auf ihm gleiten. Sie hat jedoch keine seitliche Stabilität. Erst der Hohlraum zwischen den Kanten sorgt für ein stabiles Gleiten ohne seitliches Wegrutschen. Einen Schliff mit Hohlraum bezeichnen wir allgemein als „Hohlschliff“.
4. Der Hohlschliff (ROH) im Detail
Änderungen an der Tiefe des Hohlraums haben Einfluss auf die Kantenschärfe und somit auf die Griffigkeit der Kufen. Je tiefer der Hohlraum, desto spitzer ist der Kantenwinkel. Die Kufe schneidet stärker in das Eis. Umgekehrt ist das bei einem flacheren Hohlraum.
Jetzt könnte man meinen: Je griffiger, desto besser. Eine stärkere Griffigkeit geht jedoch zu Lasten der Gleitfähigkeit. Schärfere Kanten verursachen deutlich mehr Widerstand, da sie über das Körpergewicht des Eisläufers stärker in das Eis gedrückt werden. Ein sehr flacher Hohlschliff gleitet sehr viel schneller mit deutlich weniger Widerstand. Er ist jedoch seitlich instabiler. Die Kanten müssen aktiver durch den Eisläufer in das Eis gedrückt werden.
Vergleichshilfe und Maßeinheiten
Um die Maße zu verdeutlichen: Legen wir nun eine 2-Euromünze mit einem Durchmesser von ca. 25mm mit einem Teil ihres Umfangs in eine dazu passende Hohlkehle, dann passt diese Münze genau in einen ROH von 12,5mm. Dieser Radius entspricht übrigens einem mittelscharfen Hohlschliff, der bei sehr vielen Eissportlern beliebt ist. Die kleinere 1-Euromünze passt besser in eine 11mm Hohlrinne. Dieser etwas griffigere Hohlradius ist ebenfalls sehr beliebt.
In Kanada und den USA wird der Hohlradius (ROH) in Inch oder Zoll ( " ) angegeben. Equivalent zu unseren Millimeterangaben sind hier die Radien als Bruchzahlen in 1/16-Schritten gestuft. Ein sehr tiefer Hohlschliff ist ein 6/16", und da Bruchzahlen gekürzt werden, ist der ROH ein 3/8" (9,5mm). Unser mittlerer 2 Euro-Radius entspricht ca. einem 8/16", also 1/2“ (12,7mm). Ein sehr flacher Hohlschliff ist z.B. der ROH 3/4" (19mm). Und dann gibt es noch die Stufen dazwischen.
5. Was ist ein Flat-Bottom-Schliff?
Im Gegensatz zum runden Hohlschliff ist beim Flat-Bottom-Schliff die Lauffläche in der Mitte flach. Lediglich die Kanten stehen wie kleine Mikro-Zähne hervor. Dies kombiniert die hohe Gleitgeschwindigkeit einer flachen Kufe mit der Bissigkeit eines tiefen Hohlschliffs.