Der Eismeister
Betrieblicher Alarm- und Gefahrenabwehrplan (BAGAP) für Ammoniak-Kälteanlagen
Ein betrieblicher Alarm- und Gefahrenabwehrplan – kurz BAGAP – legt fest, wie bei einer Störung oder einer Ammoniakfreisetzung gehandelt wird. Er beschreibt nicht nur technische Maßnahmen, sondern auch Zuständigkeiten, Alarmwege, die Zusammenarbeit mit der Feuerwehr und den Schutz von Mitarbeitenden sowie Besuchern.
Entscheidend ist: Der Plan muss zur eigenen Anlage passen. Messstellen der Gaswarnanlage, Not-Aus-Taster, Absperrstellen, Telefonnummern, Sammelplätze und Zuständigkeiten müssen aktuell sein und im Ernstfall schnell gefunden werden.
- Der BAGAP wird vor einem Ereignis erstellt – nicht erst im Alarmfall.
- Er legt fest, wer entscheidet, wer alarmiert und wer welche Aufgabe übernimmt.
- Technische Maßnahmen erfolgen ausschließlich nach dem anlagenbezogenen Plan.
- Nach Alarmen, Übungen oder Änderungen an der Anlage wird der Plan geprüft und bei Bedarf angepasst.
1. Was ist ein BAGAP?
Der BAGAP ist der Notfallplan für die Ammoniak-Kälteanlage. Er beantwortet einfache, aber entscheidende Fragen: Wer wird informiert? Wer übernimmt die Leitung? Wo befinden sich wichtige Unterlagen und Ausrüstungen? Wie werden Besucher geschützt? Und wann wird die Feuerwehr alarmiert?
„Es ist durch den Betreiber ein betrieblicher Alarm- und Gefahrenabwehrplan zu erstellen.“
👉 Quelle: TRAS 110, Abschnitt 4.10
Die TRAS 110 ist unmittelbar für Ammoniak-Kälteanlagen ab einer Füllmenge von drei Tonnen anzuwenden. Bei kleineren Anlagen kann sie – insbesondere in der Nähe von Schutzobjekten wie Eissporthallen – ebenfalls eine wichtige Orientierung geben.
2. Was muss im BAGAP stehen?
Ein guter BAGAP ist kein allgemeiner Mustertext. Er beschreibt die tatsächliche Anlage, die örtlichen Wege und die vorhandene Organisation. Besonders wichtig sind folgende Punkte:
- Angaben zur Anlage, zum Standort und zur Ammoniak-Füllmenge
- Maschinenraum, Gaswarnanlage, Not-Aus-Taster und wichtige Absperrstellen
- Alarmierungswege, Telefonnummern und Vertretungsregelungen
- Aufgaben von Betriebsleitung, Eismeister, Hallenmeister, Sicherheitsdienst und Ersthelfern
- Standorte von PSA, Rollgabelschlüsseln, Handlampen, Augenduschen und weiteren Einsatzmitteln
- Objektplan, Feuerwehrplan, R&I-Fließbilder und Sicherheitsdatenblatt
- Regeln für Räumung, Sammelplatz, Besucherinformation und Feuerwehr-Einweisung
3. Rollen und Verhalten im Alarmfall
Im Alarmfall darf nicht erst geklärt werden, wer verantwortlich ist. Der BAGAP sollte daher klare Rollen festlegen. Die Bezeichnungen können von Betrieb zu Betrieb unterschiedlich sein; entscheidend ist, dass jede Aufgabe eindeutig zugeordnet ist.
- Verantwortliche Person: behält den Überblick, trifft Entscheidungen und koordiniert das weitere Vorgehen.
- Sicherungsperson: bleibt außerhalb des Gefahrenbereichs, hält Kontakt und organisiert bei Bedarf Hilfe.
- Kommunikation: informiert interne Stellen, Feuerwehr oder Rettungsdienst und dokumentiert wichtige Zeiten.
- Technisch unterwiesene Person: prüft und handelt ausschließlich im Rahmen der eigenen Unterweisung, PSA und anlagenbezogenen Vorgaben.
- Räumungshelfer: leiten Besucher, Vereine und Mitarbeitende aus dem festgelegten Bereich zum Sammelplatz.
Meldet die Gaswarnanlage eine bestimmte Zone, kann dies bei der ersten Lageeinschätzung helfen. Eine sachkundige und unterwiesene Person kann dadurch gezielter prüfen, in welchem Bereich die Ursache liegen könnte. Welche Maßnahmen anschließend zulässig sind, steht immer im anlagenbezogenen BAGAP. Ventile oder Anlagenteile dürfen niemals auf Verdacht abgesperrt werden.
4. Alarmierung, Feuerwehr und Kommunikation
Ein BAGAP muss festlegen, wer bei welchem Alarm informiert wird. Dazu gehören interne Ansprechpartner, der technische Bereitschaftsdienst und – wenn es die Lage oder der Plan vorsieht – Feuerwehr und Rettungsdienst.
Für die Feuerwehr sind vor allem drei Informationen wichtig: Wo befindet sich die Anlage? Was ist bisher geschehen? Und welche Maßnahmen wurden bereits durchgeführt? Deshalb sollten Feuerwehrplan, Objektplan, R&I-Fließbild, Kontaktliste und Angaben zur Gaswarnanlage schnell übergeben werden können.
„Der betriebliche Alarm- und Gefahrenabwehrplan muss dort bekannt und mit der Feuerwehr abgestimmt sein.“
👉 Quelle: TRAS 110, Abschnitt 4.10
Bei Eissporthallen muss auch der Besucherverkehr berücksichtigt werden. Der Plan sollte daher festlegen, wer eine Räumung veranlasst, über welche Wege Personen die Halle verlassen und welcher Sammelplatz genutzt wird. Ein Ersatz-Sammelplatz kann sinnvoll sein, wenn die Windrichtung dies erforderlich macht.
5. Unterweisung, Aktualisierung und Übungen
Ein Alarmplan hilft nur, wenn die beteiligten Personen ihn kennen. Beschäftigte müssen wissen, wie sie sich bei einer Ammoniakfreisetzung verhalten und welche Aufgabe sie gegebenenfalls übernehmen. Unterweisungen und Übungen sollten dokumentiert werden.
- Unterweisung der zuständigen Mitarbeitenden in den Alarmablauf
- Kontrolle von Alarmadressen, Telefonnummern und Vertretungen
- Prüfung von Zugänglichkeit und Vollständigkeit der Einsatzmittel
- Übung von Räumung, Kommunikation und Feuerwehr-Einweisung
- Aktualisierung nach Umbauten, Personalwechseln oder besonderen Ereignissen
Die TRAS 110 verlangt eine Überprüfung des BAGAP mindestens alle drei Jahre. Ebenso ist spätestens alle drei Jahre eine Übung durchzuführen; hierzu soll die Feuerwehr eingeladen werden.
6. BAGAP, Betriebsanweisung und Feuerwehrplan
Diese Unterlagen gehören zusammen, haben aber unterschiedliche Aufgaben:
- BAGAP: regelt das Vorgehen bei Alarm, Störung oder Ammoniakfreisetzung.
- Betriebsanweisung: beschreibt den sicheren Arbeitsalltag und das Verhalten bei Gefährdungen.
- Funktionsmatrix: zeigt, welche automatischen Schutzfunktionen die Anlage bei einer Störung auslöst.
- Feuerwehrplan: hilft Einsatzkräften bei Orientierung, Zufahrt und Lageeinschätzung.
- R&I-Fließbild: zeigt die technische Anlage mit Rohrleitungen, Armaturen und Anlagenteilen.
Der BAGAP muss nicht jede technische Einzelheit wiederholen. Er muss aber eindeutig sagen, wo diese Unterlagen liegen und wer sie im Alarmfall benötigt.
7. Nach dem Alarm: Dokumentation und Wiederanlauf
Nach einem Alarm wird der Vorgang dokumentiert und ausgewertet. Dazu gehören Alarmzeit, Messwerte der Gaswarnanlage, beteiligte Personen, getroffene Maßnahmen und besondere Beobachtungen. So lässt sich nachvollziehen, was gut funktioniert hat und was verbessert werden muss.
Ein Wiederanlauf der Anlage darf nicht allein erfolgen, weil die Messwerte wieder sinken. Zuerst müssen Ursache und Zustand der Anlage geklärt sein. Erforderliche Reparaturen und Prüfungen müssen durchgeführt, Schutzfunktionen wiederhergestellt und die Freigabe durch die verantwortliche Person dokumentiert werden.
Stand: 15.09.2026 – regelmäßige fachliche Überprüfung empfohlen.