Der Eismeister
Personal in der Eislaufhalle – Aufgaben und Organisation
Der sichere Betrieb einer Eislaufhalle ist eine Gemeinschaftsaufgabe. Neben Eismeistern und der Aufsicht auf der Eisfläche werden unter anderem technische, organisatorische, sicherheitsbezogene und medizinische Funktionen benötigt.
Eine feste Personalzahl lässt sich nicht pauschal festlegen. Die notwendige Besetzung richtet sich unter anderem nach der Gefährdungsbeurteilung, dem Betriebskonzept, der Besucherzahl, der Größe der Anlage, der eingesetzten Technik und der jeweiligen Veranstaltungsart. Zusätzlich sind Genehmigungsunterlagen, Brandschutz- und Sicherheitskonzepte sowie die einschlägigen Vorschriften des jeweiligen Bundeslandes zu beachten.
1. Betreiber, Betriebsleitung und Schichtleitung
Der Betreiber trägt die übergeordnete Verantwortung für die Organisation des sicheren Hallenbetriebs. Ist er nicht persönlich anwesend, muss betriebsintern eindeutig festgelegt sein, wer während einer Schicht Entscheidungen treffen und erforderliche Maßnahmen anordnen darf.
Je nach Organisation kann diese Funktion als Betriebsleitung, Schichtleitung, diensthabende Hallenleitung oder verantwortliche Betriebsaufsicht bezeichnet werden.
- Koordination der eingesetzten Mitarbeiter
- Freigabe des täglichen Hallen- und Eisflächenbetriebs
- Überwachung der zulässigen Besucherzahl
- Anordnung eines Einlassstopps bei Überbelegung
- Koordination bei technischen Störungen und Unfällen
- Entscheidung über Betriebsunterbrechung oder Räumung
- Führen beziehungsweise Prüfen des Betriebs- und Schichtbuches
- Übergabe wichtiger Informationen an die nachfolgende Schicht
2. Eismeister
Eismeister übernehmen im Rahmen der ihnen übertragenen Aufgaben die Herstellung, Pflege und Kontrolle der Eisfläche. Der genaue Verantwortungsbereich richtet sich nach der Organisation und der technischen Ausstattung der jeweiligen Eislaufhalle.
- Herstellung und Pflege der Eisfläche
- Kontrolle von Eisqualität und Eisdicke
- Erkennen und Beseitigen von Schäden und Gefahrstellen
- Absicherung der Eisfläche während der Eisaufbereitung
- Bedienung der Eisbearbeitungsmaschine
- Kontrolle von Banden, Toren und weiteren Einrichtungen
- Abstimmung mit Eisaufsicht und Schichtleitung
- Unterstützung bei Unfällen und Räumungen
Die Aufgaben des Eismeisters können technische Tätigkeiten einschließen. Die Berufsbezeichnung allein berechtigt jedoch nicht automatisch zu Arbeiten an Kälte-, Elektro- oder anderen überwachungsbedürftigen Anlagen.
3. Hallenmeister und technische Betriebsführung
Der Hallenmeister kümmert sich um den technischen und organisatorischen Zustand des Gebäudes. Die Bezeichnung ist nicht einheitlich geregelt. Deshalb muss der Betreiber den konkreten Aufgaben- und Verantwortungsbereich schriftlich festlegen.
- Überwachung von Lüftung, Heizung und Entfeuchtung
- Bedienung und Kontrolle der Gebäudeleittechnik
- Kontrolle von Beleuchtung und Stromversorgung
- Überwachung von Sanitär- und Wasserversorgungsanlagen
- Technische Kontrollgänge durch die Halle
- Aufnahme und Weiterleitung technischer Störungen
- Kontrolle von Türen, Toren und Verkehrswegen
- Koordination von Wartungsfirmen und externen Dienstleistern
- Organisation kleinerer Reparaturen und Instandhaltungsarbeiten
- Unterstützung bei Winterdienst und Verkehrssicherung
Lüftung und Entfeuchtung haben in einer Eislaufhalle eine besondere Bedeutung. Eine ungeeignete Hallenluft kann unter anderem Nebelbildung, Kondenswasser, Korrosion und Tropfwasser über der Eisfläche begünstigen.
4. Betrieb der Kälteanlage
Für den sicheren Betrieb der Kälteanlage müssen Aufgaben, Zuständigkeiten und Meldewege eindeutig festgelegt werden. Welche Qualifikation erforderlich ist, hängt von der Anlage, dem verwendeten Kältemittel und der jeweils auszuführenden Tätigkeit ab.
- Kontrolle der Betriebszustände und Anlagenanzeigen
- Beobachtung von Temperaturen, Drücken und Alarmmeldungen
- Dokumentation von Kontrollen und Störungen
- Umsetzung der Betriebs- und Alarmanweisungen
- Einleitung festgelegter Maßnahmen bei Kältemittelaustritt
- Verständigung von Schichtleitung, Fachfirma und Einsatzkräften
- Koordination von Wartungen und vorgeschriebenen Prüfungen
- Unterweisung der betroffenen Mitarbeiter
Eingriffe, Reparaturen und Wartungsarbeiten dürfen nur von Personen durchgeführt werden, die für die jeweilige Tätigkeit ausreichend qualifiziert und beauftragt sind. Das gilt besonders für Anlagen mit Ammoniak oder anderen Kältemitteln, von denen besondere Gefahren ausgehen können.
5. Aufsicht auf der Eisfläche
Während des Publikumslaufs muss die Eisfläche entsprechend der Gefährdungsbeurteilung überwacht werden. Dabei ist festzulegen, von welchen Standorten aus die Aufsicht erfolgt und wie bei Unfällen, Regelverstößen oder einer Überbelegung eingegriffen wird.
- Beobachtung des Fahrverhaltens und der Besucherzahl
- Erkennen von Gefahrensituationen und Konflikten
- Durchsetzung der geltenden Eisflächenregeln
- Absicherung verletzter Personen
- Alarmierung von Ersthelfern oder Sanitätsdienst
- Kommunikation mit Eismeister, Kasse und Schichtleitung
- Meldung einer möglichen Überbelegung
- Unterstützung bei Räumung oder Sperrung der Eisfläche
Die Eisaufsicht muss jederzeit wissen, wer einen Einlassstopp, eine Unterbrechung des Eislaufs oder die Räumung der Eisfläche anordnen darf.
6. Kasse, Einlass und Besucherservice
Das Personal an Kasse und Einlass ist nicht nur für den Verkauf zuständig, sondern bildet einen wichtigen Teil der Besucher- und Sicherheitsorganisation.
- Ticketverkauf und Zugangskontrolle
- Erfassung oder Überwachung der Besucherzahl
- Information über Hallen- und Eisflächenregeln
- Weitergabe wichtiger Hinweise an Besucher
- Kommunikation mit Eisaufsicht und Schichtleitung
- Umsetzung eines angeordneten Einlassstopps
- Unterstützung bei Alarmierung und Räumung
7. Schlittschuhausgabe
Der Personalbedarf an der Schlittschuhausgabe hängt von den Besucherzahlen, dem vorhandenen Ausgabesystem und der Organisation des Pfandsystems ab.
- Ausgabe und Rücknahme von Schlittschuhen
- Zuordnung der richtigen Schlittschuhgröße
- Sichtkontrolle auf erkennbare Beschädigungen
- Reinigung und hygienische Behandlung
- Sortierung und sichere Lagerung
- Organisation von Pfand, Token oder elektronischen Systemen
- Meldung beschädigter oder nicht mehr verkehrssicherer Schlittschuhe
Ein einfaches und gut organisiertes Ausgabesystem reduziert Wartezeiten, verhindert Rückstaus und senkt den Personalbedarf.
8. Reinigung und Hygiene
Reinigungspersonal leistet einen wichtigen Beitrag zur Betriebssicherheit. Wasser, Schneereste und Schmutz können auf glatten Bodenflächen schnell zu Rutsch- und Stolpergefahren führen.
- Reinigung von Umkleiden, Sanitäranlagen und Aufenthaltsbereichen
- Beseitigung von Wasser und Schneeresten auf Verkehrswegen
- Kontrolle und Reinigung der Tribünen und Zuschauerbereiche
- Entleerung von Abfallbehältern
- Reinigung der Schlittschuhe und Ausgabebereiche
- Meldung von Schäden und Gefahrstellen
- Unterstützung bei der hygienischen Betriebsorganisation
9. Sicherheits- und Ordnungsdienst
Ob und in welcher Stärke ein Sicherheits- oder Ordnungsdienst benötigt wird, richtet sich nach Besucherzahl, Veranstaltungsart, Sicherheitskonzept und behördlichen Anforderungen.
- Einlasskontrolle und Besucherlenkung
- Freihalten von Flucht- und Rettungswegen
- Überwachung von Tribünen und Umlaufbereichen
- Durchsetzung der Hausordnung
- Deeskalation bei Konflikten
- Unterstützung bei Evakuierung und Räumung
- Funkkommunikation mit der Einsatz- oder Veranstaltungsleitung
- Dokumentation besonderer Vorkommnisse
10. Ersthelfer und Sanitätsdienst
Während des Betriebs muss eine angemessene Erste-Hilfe-Organisation vorhanden sein. Anzahl und Ausbildung der Ersthelfer sowie die notwendige Ausstattung richten sich nach den betrieblichen Verhältnissen, der Gefährdungsbeurteilung und der jeweiligen Veranstaltung.
- Erstversorgung verletzter oder erkrankter Personen
- Alarmierung und Einweisung des Rettungsdienstes
- Absicherung der Unfallstelle
- Bereitstellung und Kontrolle des Erste-Hilfe-Materials
- Dokumentation von Erste-Hilfe-Leistungen und Unfällen
- Sicherstellung freier Rettungs- und Übergabewege
Ob ein Erste-Hilfe-Raum, ein Sanitätsdienst oder ein automatisierter externer Defibrillator erforderlich ist, muss anhand der Größe der Anlage, der Besucherzahl, der Veranstaltung und der Gefährdungsbeurteilung festgestellt werden. Wird ein Defibrillator vorgehalten, müssen Kontrolle, Wartung und Einweisung geregelt sein.
11. Brandschutz und Brandsicherheitswache
Der betriebliche Brandschutz umfasst mehr als die Bereitstellung von Feuerlöschern. Das Personal muss die Alarmwege, die Brandschutzordnung, die Rettungswege und die festgelegten Aufgaben im Gefahrenfall kennen.
- Kontrolle der Flucht- und Rettungswege
- Überwachung brandschutzrelevanter Einrichtungen
- Kenntnis der Alarmierungs- und Räumungsabläufe
- Einweisung von Feuerwehr und Einsatzkräften
- Unterstützung von Menschen mit eingeschränkter Mobilität
- Durchführung und Dokumentation betrieblicher Unterweisungen
Eine Brandsicherheitswache ist nicht bei jedem Hallenbetrieb automatisch erforderlich. Ihr Einsatz richtet sich unter anderem nach der Art der Veranstaltung, möglichen Brandgefahren, der Größe einer Szenenfläche, behördlichen Vorgaben und der jeweiligen Landesregelung.
12. Veranstaltungsleiter
Der Veranstaltungsleiter übernimmt während einer Veranstaltung die übergeordnete betriebliche Koordination. Er ist nicht automatisch mit dem Veranstalter oder dem Verantwortlichen für Veranstaltungstechnik gleichzusetzen.
- Kontrolle der betrieblichen Einsatzbereitschaft
- Koordination aller beteiligten Verantwortungsbereiche
- Überwachung der zulässigen Besucherzahl
- Freigabe von Einlass und Veranstaltungsbeginn
- Koordination von Ordnungsdienst und Sanitätsdienst
- Abstimmung mit Brandsicherheitswache und Einsatzkräften
- Entscheidung über Unterbrechung, Abbruch oder Räumung
- Dokumentation sicherheitsrelevanter Entscheidungen
Soweit die jeweilige Landesregelung über Versammlungsstätten anwendbar ist, muss während des Betriebs der Betreiber oder ein von ihm beauftragter Veranstaltungsleiter anwesend sein. Die betreffende Person muss mit der Versammlungsstätte, ihren Einrichtungen und den betrieblichen Abläufen vertraut sein.
13. Verantwortliche für Veranstaltungstechnik
Verantwortliche für Veranstaltungstechnik kümmern sich um die Sicherheit und Funktionsfähigkeit der bühnen-, studio-, beleuchtungs- und veranstaltungstechnischen Einrichtungen. Diese Funktion ist vom Veranstaltungsleiter und von der technischen Gebäudebetreuung zu unterscheiden.
- Prüfung und Überwachung technischer Aufbauten
- Kontrolle von Bühnen-, Licht-, Ton- und Medientechnik
- Überwachung sicherheitsrelevanter technischer Abläufe
- Begleitung von Auf- und Abbauarbeiten
- Durchführung oder Begleitung technischer Proben
- Kontrolle des Brandschutzes im Bereich der Veranstaltungstechnik
- Abstimmung mit Veranstaltungsleiter und Betreiber
Ob eine entsprechend qualifizierte verantwortliche Person oder eine Fachkraft für Veranstaltungstechnik anwesend sein muss, richtet sich unter anderem nach der Größe der Szenenfläche, den technischen Aufbauten, der Besucherzahl und der jeweils geltenden Landesregelung.
14. Weitere betriebliche Funktionen
Abhängig von Größe und Nutzung der Eislaufhalle können weitere interne oder externe Funktionen erforderlich sein.
- Fachkraft für Arbeitssicherheit
- Betriebsarzt
- Brandschutzbeauftragter und Brandschutzhelfer
- Elektrofachkraft
- Fachunternehmen für Kälte- und Gebäudetechnik
- Gastronomie- und Küchenpersonal
- Parkplatz- und Verkehrsordner
- Garderoben- und Besucherservice
- Betreuung von Schulklassen und Besuchergruppen
- Unterstützung für Menschen mit Behinderung
- Ticket-, Kassen- und IT-Support
Nicht alle diese Personen müssen ständig vor Ort sein. Erreichbarkeit, Vertretung, Alarmierung und Entscheidungswege müssen jedoch verbindlich geregelt werden.
15. Normalbetrieb und Veranstaltungsbetrieb
Die Personalplanung muss für jede Betriebsart gesondert betrachtet werden. Publikumslauf, Schul- und Vereinstraining, Eishockeyspiele, Eisdiscos, Konzerte und andere Veranstaltungen bringen unterschiedliche Risiken und Anforderungen mit sich.
- Erwartete Besucher- und Teilnehmerzahl
- Anteil von Kindern und ungeübten Eisläufern
- Nutzung von Tribünen, Gastronomie und Nebenräumen
- Art und Umfang technischer Aufbauten
- Alkohol- und Veranstaltungsbetrieb
- Erforderlicher Sanitäts- und Ordnungsdienst
- Brandschutz- und Räumungsorganisation
- Notwendige Fachkräfte und verantwortliche Personen
Für wiederkehrende Betriebsarten empfiehlt sich eine verbindliche Personal- und Aufgabenmatrix. Daraus sollte hervorgehen, welche Funktionen besetzt sein müssen, wer Entscheidungen treffen darf und welche Vertretungsregelungen gelten.
Praxis-Hinweis: Eine schriftliche Aufgabenverteilung mit eindeutigen Zuständigkeiten, Vertretungsregelungen und Meldewegen verhindert Unklarheiten und erleichtert die Zusammenarbeit mit Behörden, Unfallversicherungsträgern, Versicherungen und Einsatzkräften.
Stand: 12.09.2026 – regelmäßige fachliche Überprüfung empfohlen.