Der Eismeister
Eishockeytore im professionellen Spielbetrieb
Eishockeytore sind sicherheitsrelevante Sportgeräte und ein wesentlicher Bestandteil der Spielfläche. Für den professionellen Spielbetrieb müssen Torrahmen, Tornetz, Schutzschürze und Befestigungssystem den aktuellen Spielregeln des zuständigen Verbandes und den ergänzenden Bestimmungen des jeweiligen Wettbewerbs entsprechen.
Dabei muss zwischen verbindlichen Spielregeln, technischen Herstellerangaben und betrieblichen Empfehlungen unterschieden werden. Nicht jede in einem Produktkatalog genannte Abmessung oder Materialausführung ist automatisch eine allgemeingültige Vorgabe der International Ice Hockey Federation.
1. Regelwerke und Geltungsbereich
Für internationale Wettbewerbe ist das jeweils aktuelle Regelbuch der IIHF maßgeblich. Für nationale Wettbewerbe können ergänzende oder abweichende Bestimmungen des Deutschen Eishockey-Bundes, der zuständigen Landesverbände oder der jeweiligen Liga gelten.
“Only the latest version published on the website is the version to be used.”
Quelle: 👉 IIHF – Rules, Regulations & Guidelines
Der Artikel sollte deshalb nicht von einer starren „IIHF-Norm“ sprechen. Fachlich treffender ist die Formulierung „Eishockeytor nach den aktuellen IIHF-Spielregeln“.
Zusätzlich müssen Betreiber die Bedienungs-, Montage- und Wartungsanweisungen des Herstellers beachten. Werden Bauteile verschiedener Hersteller kombiniert, muss deren Eignung und Kompatibilität geprüft werden.
2. Maße und Toröffnung
Das aktuelle IIHF-Regelwerk legt für die lichte Toröffnung folgende Maße fest:
- Breite: 1,83 Meter, gemessen zwischen den Innenseiten der Torpfosten
- Höhe: 1,22 Meter über der Oberfläche der Eisfläche
Da es sich um festgelegte Spielmaße handelt, sollte an dieser Stelle nicht mit der Angabe „circa“ gearbeitet werden.
Eine Gesamttiefe von 112 Zentimetern wird beispielsweise für bestimmte handelsübliche Torrahmen angegeben. Diese Abmessung ist jedoch als Hersteller- beziehungsweise Modellspezifikation zu kennzeichnen und darf nicht pauschal als allgemeingültiges Maß des aktuellen IIHF-Regelwerks dargestellt werden.
3. Torrahmen, Farben und Aufbau
Das Tor besteht aus einem zugelassenen Torrahmen und der dazugehörigen Netzbespannung. Die offene Seite des Tores zeigt zur Spielfeldmitte.
Nach dem aktuellen IIHF-Regelwerk gelten für die sichtbaren Bauteile grundsätzlich folgende Farben:
- Torpfosten und Querlatte sind rot.
- Die übrigen äußeren Flächen des Torrahmens sind weiß.
- Das Tornetz besteht aus weißem Nylonmaterial.
- Netzschürze und vorgeschriebene Schutzelemente sind weiß.
Der Rahmen muss frei von scharfen Kanten, offenen Rohrenden, hervorstehenden Befestigungsteilen und beschädigten Verbindungen sein. Schweißnähte, Rohrverbindungen und tragende Rahmenteile sind regelmäßig auf Risse, Verformungen und Korrosion zu kontrollieren.
4. Positionierung auf der Eisfläche
Jedes Tor wird mittig auf der dazugehörigen Torlinie aufgestellt. Die Öffnung zeigt zur Mitte der Eisfläche. Die Aufnahmen für das Peg-System müssen passend zum Tormodell und an der vorgesehenen Position hergestellt sein.
“The holes for the goal pegs must be located exactly on the goal line.”
Quelle: IIHF Official Rule Book 2026/27, Regel 2.1: 👉 Aktuelles IIHF-Regelbuch öffnen
Vor Spielbeginn ist zu prüfen, ob beide Tore korrekt ausgerichtet sind. Nach einem Verschieben muss das betroffene Tor wieder vollständig und positionsgenau auf der Torlinie befestigt werden.
5. Tornetze und Netzspannung
Das Tornetz muss zum vorhandenen Torrahmen passen und für das jeweilige Torsystem freigegeben sein. Es muss die Rückseite des Tores vollständig umschließen und so befestigt werden, dass ein regelgerecht ins Tor gelangender Puck zuverlässig im Netz verbleibt.
„An jedem Torrahmen ist ein Netz mit genehmigtem Design aus weißer Nylonschnur zu befestigen.“
Quelle: deutschsprachige Fassung des IIHF-Regelbuchs, Regel 2.2: 👉 Regelbuch beim Deutschen Eishockey-Bund öffnen
Entscheidend ist nicht allein, ob ein Tornetz maschinen- oder handgeknotet hergestellt wurde. Für Auswahl und Beschaffung sind insbesondere folgende Punkte maßgeblich:
- Freigabe für den vorhandenen Torrahmen
- Garnstärke und Materialqualität
- Maschenweite und Verarbeitung
- Belastbarkeit und Nutzungshäufigkeit
- gleichmäßige Netzspannung
- korrekte Passform
- sichere Befestigung ohne scharfe oder hervorstehende Teile
Die pauschale Einteilung „handgeknotet für Profis“ und „maschinengeknotet für Amateure“ ist nicht belastbar. Beide Herstellungsverfahren werden auch mit vergleichbaren Garnstärken angeboten.
6. Netzschürze und Schutzpolsterung
Um das Tornetz im unteren Bereich gegen Beschädigungen zu schützen, ist eine widerstandsfähige weiße Netzschürze beziehungsweise ein geeigneter Schnittschutz am unteren Torrahmen vorgesehen.
Das aktuelle IIHF-Regelwerk beschreibt unter anderem folgende Anforderungen:
- Verwendung von widerstandsfähigem weißem Nylon- oder Segeltuchmaterial
- Befestigung rund um die Grundplatte des Torrahmens
- Schutz des Tornetzes vor Schnitten und Brüchen
- 15 Zentimeter Abstand von der Innenseite des Torpfostens
- höchstens 2,5 Zentimeter Überstand über der Grundplatte
- keine Behinderung des vollständigen Überschreitens der Torlinie
Je nach Torausführung können weitere Schutzpolster für innere Bögen, Mittelpfosten oder andere Rahmenteile vorgesehen sein. Dabei handelt es sich teilweise um hersteller- und modellspezifische Bauteile. Ihre Ausführung darf den Lauf des Pucks und die Torentscheidung nicht beeinträchtigen.
7. Peg-Systeme und Torbefestigung
Im regulären Spielbetrieb werden zugelassene flexible Peg-Systeme verwendet. Sie müssen das Tor während des normalen Spielverlaufs an seiner Position halten und bei einer erheblichen Kollision ein kontrolliertes Lösen des Tores ermöglichen.
Die einfache Unterscheidung zwischen „Gummi- oder Metallpegs“ reicht für eine sicherheitstechnische Beurteilung nicht aus. Entscheidend sind das vorgesehene Auslöseverhalten und die Kompatibilität mit:
- dem verwendeten Torrahmen
- den vorhandenen Aufnahmen
- der Beschaffenheit der Eisfläche
- der Alters- und Leistungsklasse
- den Regeln des Verbandes oder der Liga
Beschädigte, verbogene, stark abgenutzte oder schwergängige Pegs dürfen nicht weiterverwendet werden. Das eigenmächtige Kürzen, Verformen oder Verändern eines Peg-Systems kann dessen Auslöseverhalten beeinträchtigen.
8. Auswahl des passenden Torsystems
Die Auswahl eines geeigneten Torsystems darf nicht allein über die Nutzungshäufigkeit oder den Kaufpreis erfolgen. Zu berücksichtigen sind insbesondere:
- Vorgaben des zuständigen Verbandes oder der Liga
- Wettkampf-, Trainings- oder Freizeitbetrieb
- Altersklasse der Spieler
- vorgesehene Art des Peg-Systems
- Belastung durch Schüsse und Kollisionen
- Häufigkeit des Auf- und Abbaus
- Verfügbarkeit passender Ersatzteile
- Aufwand für Kontrolle, Wartung und Reparatur
Für Kinder- und Nachwuchswettbewerbe können abweichende Torgrößen und Befestigungssysteme vorgesehen sein. Maßgeblich sind die jeweiligen Durchführungsbestimmungen.
9. Kontrolle vor dem Betrieb
Vor Training, Wettkampf und sonstiger Nutzung sollte eine Sicht- und Funktionskontrolle durchgeführt werden. Der Umfang ist in einer betrieblichen Kontrollanweisung festzulegen.
- Torrahmen auf Verformungen und Beschädigungen prüfen
- Schweißnähte und Verbindungen kontrollieren
- scharfe Kanten und hervorstehende Bauteile ausschließen
- Tornetz vollständig auf Löcher und Risse untersuchen
- Netzspannung und Netzbefestigung prüfen
- lose Schnüre und ungeeignete Befestigungsmittel entfernen
- Netzschürze und Schutzpolster kontrollieren
- Pegs und Aufnahmen auf Verschleiß untersuchen
- korrekten Sitz der Pegs prüfen
- Tor mittig und genau auf der Torlinie ausrichten
Lose Kabelbinderenden, Drähte, Haken oder andere scharfkantige Befestigungsmittel können eine Verletzungsgefahr darstellen und sind für improvisierte Reparaturen ungeeignet.
10. Kontrolle nach Kollisionen
Nach einer starken Kollision genügt es nicht, das Tor nur wieder auf die Pegs zu setzen. Vor der Fortsetzung der Nutzung sollten mindestens folgende Punkte kontrolliert werden:
- sichtbare Verformung des Rahmens
- Beschädigung der Schweißnähte
- Zustand der Pegs und Aufnahmen
- Beschädigung oder Verschiebung der Schutzpolster
- neue Risse oder Löcher im Tornetz
- gelöste Netzbefestigungen
- korrekte Position des Tores auf der Torlinie
Bestehen Zweifel am sicheren Zustand, ist das Tor zunächst aus dem Betrieb zu nehmen und durch ein geprüftes Ersatztor zu ersetzen.
11. Reparatur und Außerbetriebnahme
Sicherheitsrelevante Schäden dürfen nicht durch ungeeignete Behelfslösungen verdeckt werden. Reparaturen müssen fachgerecht und unter Beachtung der Herstellervorgaben durchgeführt werden.
Gründe für eine sofortige Außerbetriebnahme können sein:
- gerissene oder beschädigte Schweißnähte
- deutlich verbogener Torrahmen
- scharfe Kanten oder offene Rohrenden
- großflächig beschädigtes Tornetz
- fehlende oder nicht sicher befestigte Schutzpolsterung
- defektes oder ungeeignetes Peg-System
- nicht mehr sichere Netzbefestigung
- fehlende Kompatibilität eingesetzter Ersatzteile
Austausch und Reparatur sicherheitsrelevanter Bauteile sollten nachvollziehbar dokumentiert werden.
12. Transport und Lagerung
Auch außerhalb des Spielbetriebs können Eishockeytore eine Verletzungsgefahr darstellen. Beim Transport bestehen insbesondere Quetsch-, Stoß- und Kippgefahren.
- Tore möglichst mit geeigneten Transporthilfen bewegen
- Quetschstellen beim Anheben und Abstellen beachten
- Torrahmen nicht unkontrolliert über die Eisfläche ziehen
- Netze und Schutzpolster beim Transport nicht einklemmen
- abgestellte Tore gegen Umkippen und Wegrollen sichern
- unbefugtes Besteigen gelagerter Tore verhindern
- Tore während des Publikumslaufs entfernen oder sicher absperren
Der Lagerplatz sollte so gewählt werden, dass keine Flucht- und Rettungswege, Verkehrswege oder Zugänge zu technischen Anlagen beeinträchtigt werden.
13. Zuständigkeiten und Dokumentation
Der Betreiber muss organisatorisch festlegen, wer die Tore kontrolliert, aufstellt, befestigt, repariert und gegebenenfalls außer Betrieb nimmt. Die praktische Kontrolle wird häufig durch Eismeister, Hallenpersonal oder Mannschaftsverantwortliche durchgeführt.
Die Aufgabenverteilung sollte mindestens folgende Punkte enthalten:
- Kontrolle vor der ersten täglichen Nutzung
- Aufstellung und Befestigung der Tore
- Kontrolle nach starken Kollisionen
- Meldung und Kennzeichnung festgestellter Schäden
- Entscheidung über eine Außerbetriebnahme
- Freigabe nach Reparatur oder Austausch
- Bestand und Lagerung geeigneter Ersatzteile
- Dokumentation wiederkehrender Schäden
14. Regelwerke und Quellen
- 👉 IIHF – Rules, Regulations & Guidelines
- 👉 IIHF Official Rule Book 2026/27
- 👉 Deutscher Eishockey-Bund – Downloadportal
Herstellerkataloge dienen der Beschreibung konkreter Produkte. Sie ersetzen weder das aktuelle Regelwerk noch eine betriebliche Gefährdungsbeurteilung oder die Vorgaben des jeweiligen Wettbewerbs.
Stand: 12.09.2026 – regelmäßige fachliche Überprüfung empfohlen.