Der Eismeister
Fotos und Videos bei Veranstaltungen – Datenschutz, Einwilligung und Hausrecht
Fotos und Videos gehören zu vielen Veranstaltungen. Sobald Personen erkennbar sind, müssen Veranstalter jedoch sorgfältig mit den Aufnahmen umgehen. Entscheidend sind Zweck, Aufnahmeart, Veröffentlichungsort und die Rechte der abgebildeten Personen.
Fotografieren, Speichern, Bearbeiten, Veröffentlichen und Werben sind unterschiedliche Schritte. Eine allgemeine Veranstaltungserlaubnis ist keine automatische Erlaubnis für jedes Bild und jeden Zweck.
1. DSGVO und Recht am eigenen Bild
Erkennbare Personen auf Fotos oder Videos können personenbezogene Daten sein. Die DSGVO betrifft insbesondere Aufnahme, Speicherung, Auswahl, Weitergabe und Organisation der Bilddaten.
„Die Verarbeitung ist nur rechtmäßig, wenn mindestens eine der nachstehenden Bedingungen erfüllt ist.“
Quelle: Art. 6 Abs. 1 DSGVO.
- Einwilligung der betroffenen Person
- Erfüllung eines Vertrags
- Erfüllung einer rechtlichen Pflicht
- Schutz lebenswichtiger Interessen
- Wahrnehmung einer Aufgabe im öffentlichen Interesse
- berechtigtes Interesse des Veranstalters oder eines Dritten
Für normale Veranstaltungsfotos sind in der Praxis meist zwei Rechtsgrundlagen relevant: die Einwilligung oder – bei zurückhaltenden Übersichts- und Stimmungsbildern – ein berechtigtes Interesse. Es muss nur eine passende Rechtsgrundlage vorliegen, nicht alle sechs.
Für die Veröffentlichung und das öffentliche Zeigen von Bildnissen sind außerdem die §§ 22 und 23 Kunsturhebergesetz relevant. Die beiden Rechtsbereiche müssen im Einzelfall zusammen betrachtet werden.
„Bildnisse dürfen nur mit Einwilligung des Abgebildeten verbreitet oder öffentlich zur Schau gestellt werden.“
Quelle: § 22 Kunsturhebergesetz.
§ 23 KUG enthält Ausnahmen, etwa bei Bildern von Versammlungen oder wenn Personen nur als Beiwerk erscheinen. Diese Ausnahmen sind aber kein Freifahrtschein: Berechtigte Interessen der abgebildeten Person dürfen nicht verletzt werden.
2. Zweck und Rechtsgrundlage festlegen
Vor der Veranstaltung sollte feststehen, wofür Fotos und Videos tatsächlich benötigt werden. Allgemeine Veranstaltungsdokumentation, Pressearbeit, Social Media, Vereinschronik und Werbung sind unterschiedliche Zwecke.
- Übersichts- und Stimmungsbilder: können im Einzelfall auf berechtigtes Interesse gestützt werden.
- Porträts und Nahaufnahmen: besser mit dokumentierter Einwilligung arbeiten.
- Werbefotos und Sponsorenmaterial: vorher ausdrücklich einwilligen lassen.
- Peinliche, sensible oder konfliktbelastete Situationen: nicht veröffentlichen.
Je stärker eine einzelne Person im Mittelpunkt steht und je werblicher die Nutzung ist, desto wichtiger wird eine eindeutige Einwilligung.
3. Wann Einwilligung sinnvoll ist
Eine dokumentierte Einwilligung ist besonders sinnvoll, wenn eine Person gezielt dargestellt wird oder die Aufnahme dauerhaft für Werbung und Öffentlichkeitsarbeit eingesetzt werden soll.
- Porträts und Interviews
- Vorstellung von Spielern, Trainern, Mitarbeitenden oder Ehrenamtlichen
- Werbefotos für Flyer, Anzeigen oder Sponsoren
- gezielte Social-Media-Beiträge mit erkennbaren Einzelpersonen
- Gruppen- und Mannschaftsbilder mit namentlichem Bezug
Eine Einwilligung muss freiwillig, informiert und nachvollziehbar sein. Sie kann für die Zukunft widerrufen werden. Bereits veröffentlichte Inhalte müssen dann geprüft und – soweit möglich – aus eigenen Kanälen entfernt werden.
4. Kinder und sensible Situationen
Bei Kindern ist besondere Zurückhaltung erforderlich. Für erkennbare Kinder, insbesondere bei Nahaufnahmen, Gruppenbildern, Kursen, Mannschaften oder Werbung, sollte grundsätzlich eine dokumentierte Einwilligung der Sorgeberechtigten vorliegen.
Bei Jugendlichen kann zusätzlich deren eigene Einsichtsfähigkeit berücksichtigt werden. Im Zweifel ist es sinnvoll, auch den Jugendlichen einzubeziehen.
- Umkleiden und Sanitärbereiche
- Erste-Hilfe-Situationen und verletzte Personen
- Stürze, Tränen, Konflikte oder bloßstellende Situationen
- Sicherheits-, Polizei- oder Rettungseinsätze
- Kinder in unvorteilhaften oder hilflosen Situationen
5. Besucher, Presse und externe Fotografen
Besucher machen häufig private Erinnerungsfotos. Über Hausordnung oder Hallenregeln kann der Betreiber festlegen, was in der Anlage erlaubt ist, beispielsweise ein Verbot von Aufnahmen in Umkleiden, Erste-Hilfe-Bereichen oder bei professionellen Produktionen ohne Zustimmung.
Bei Presse, Livestreams, Sponsorenvideos oder externen Fotografen sollten Zuständigkeiten und Grenzen vorher schriftlich geklärt werden. Dazu gehören erlaubte Bereiche, ausgeschlossene Motive, Zweck der Aufnahmen, Speicherdauer und Ansprechpartner.
Ob ein Fotograf eigenständig verantwortlich handelt oder als Auftragsverarbeiter tätig wird, hängt vom konkreten Auftrag und der tatsächlichen Datenverarbeitung ab. Das sollte vorab datenschutzfachlich geklärt werden.
6. Hinweise, Speicherung und Widerspruch
Ein Hinweis am Eingang schafft Transparenz, ersetzt aber keine Einwilligung, wenn eine Einwilligung für eine konkrete Aufnahme oder Nutzung erforderlich ist.
- Verantwortliche Stelle und Kontaktmöglichkeit
- Zweck der Foto- und Videoaufnahmen
- Rechtsgrundlage der Verarbeitung
- geplante Veröffentlichungsorte
- Informationen zu Speicherdauer, Widerruf und Widerspruch
- Verweis auf ausführliche Datenschutzinformationen, zum Beispiel per QR-Code
Rohmaterial sollte zeitnah gesichtet und nicht benötigtes Material gelöscht werden. Zugreifen sollten nur Personen, die es für ihre Aufgabe wirklich benötigen. Widersprüche gegen eine Verarbeitung auf Basis berechtigter Interessen müssen geprüft und dokumentiert werden.
7. Praktisches Fotokonzept für Eishallen
- Vor der Veranstaltung Zweck und geplante Nutzung festlegen.
- Übersichtsaufnahmen und gezielte Porträts klar unterscheiden.
- Bei Kindern, Nahaufnahmen und Werbung dokumentierte Einwilligungen einholen.
- Personal und Fotografen vorab zu erlaubten und verbotenen Motiven briefen.
- Sensible Bereiche ausdrücklich ausschließen.
- Hinweise und ausführliche Datenschutzinformationen bereitstellen.
- Eine Ansprechperson für Fragen, Widerrufe und Widersprüche benennen.
- Material sichten, unnötige Aufnahmen löschen und Entscheidungen dokumentieren.
Dieser Beitrag ersetzt keine Rechtsberatung. Bei Großveranstaltungen, TV-Produktionen, Livestreams, Sponsoring, gezielter Werbung oder umfangreichen Aufnahmen von Kindern sollte vorab eine datenschutzfachliche oder rechtliche Prüfung erfolgen.
8. Fazit
Fotos und Videos bei Veranstaltungen sind möglich, brauchen aber ein klares Konzept. Entscheidend ist, ob es um allgemeine Dokumentation, Pressearbeit, Social Media, Werbung oder gezielte Aufnahmen einzelner Personen geht.
Wer Zweck, Rechtsgrundlage, Einwilligungen, sensible Bereiche, Information und Löschung sauber organisiert, schützt Besucher, Kinder, Vereine und Veranstalter gleichermaßen.
Quellen und weiterführende Informationen
Stand: 06.10.2026 – regelmäßige fachliche Überprüfung empfohlen.