Der Eismeister

Verdichter / Kompressor

Der Verdichter ist das Herz jeder Kälteanlage in der Eissporthalle. Er saugt das verdampfte Kältemittel an, verdichtet es auf höheren Druck und sorgt so dafür, dass im Kondensator Wärme an die Umgebung abgegeben werden kann. Je nach Anlagentyp kommen Hubkolbenverdichter oder Schraubenverdichter zum Einsatz, die sich in Aufbau, Funktionsweise und Wartungsbedarf unterscheiden.

1. Überblick Verdichter in Eissportanlagen

In Eislaufhallen werden Verdichter meist mit Ammoniak als Kältemittel betrieben. Moderne Anlagen nutzen häufig Schraubenverdichter für den Dauerbetrieb, ältere oder kleinere Anlagen arbeiten mit Hubkolbenverdichtern. Beide Typen sollen zuverlässig Druck aufbauen, auf Störungen reagieren und sich in die Sicherheitskette der Kälteanlage einfügen.

Konkrete Vorgaben zu Betriebsdaten, Anfahrprogrammen, Ölsystem und Schutzabschaltungen stehen immer in der Betriebsanleitung des jeweiligen Verdichterherstellers. Diese Angaben sind verbindlich und müssen in der Gefährdungsbeurteilung und im Betriebsjournal berücksichtigt werden.

2. Hubkolbenverdichter – Aufbau und Funktion

Ein Hubkolbenverdichter arbeitet in einem wiederkehrenden Verdichtungszyklus. Das gasförmige Kältemittel wird über ein Einlassventil angesaugt, im Zylinder durch die Bewegung des Kolbens verdichtet und anschließend über das Auslassventil in die Hochdruckseite der Anlage gefördert.

Typisch ist ein dreiphasiger Ablauf:

  • Ansaugphase: Kolben bewegt sich nach unten, im Zylinder entsteht Unterdruck, das Kältemittel strömt ein.
  • Verdichtungsphase: Kolben bewegt sich nach oben, der Druck steigt, das Gas erwärmt sich.
  • Ausschubphase: Bei Erreichen des eingestellten Drucks öffnet das Auslassventil, das verdichtete Gas wird in die Hochdruckleitung gedrückt.
Hubkolbenverdichter im Maschinenraum einer Eishalle
Hubkolbenverdichter in einer Ammoniak-Kälteanlage
Detailansicht eines Hubkolbenverdichters mit Antrieb
Detailansicht mit Antrieb, Rohrleitungen und Sicherheitseinrichtungen

Hubkolbenverdichter sind robust und gut regelbar, haben aber viele bewegte Teile wie Ventile, Pleuel und Lager. Dadurch sind sie wartungsintensiver und mechanisch empfindlicher gegenüber Ölmangel oder Flüssigkeitsschlägen.

3. Schraubenverdichter – Aufbau und Funktion

Schraubenverdichter arbeiten mit zwei ineinandergreifenden Rotoren. Das Kältemittel strömt axial in das Verdichtergehäuse, wird zwischen den Rotoren eingeschlossen und durch die Drehbewegung kontinuierlich auf höheren Druck gebracht. Das Gas verlässt den Verdichter am Hochdruckende in Richtung Ölabscheider und Kondensator.

Schraubenverdichter in einer Eishallen-Kälteanlage
Schraubenverdichter im Dauerbetrieb einer Eissporthalle
Schraubenverdichter mit Antrieb und Ölkreislauf
Schraubenverdichter mit Antrieb, Ölkreislauf und Instrumentierung

Durch den kontinuierlichen Verdichtungsprozess liefern Schraubenverdichter einen gleichmäßigen Massenstrom, arbeiten leiser und erreichen hohe Kälteleistungen bei vergleichsweise wenig Verschleiß. Sie benötigen jedoch einen funktionierenden Ölkreislauf zur Schmierung und Abdichtung sowie ein sauberes Ölsystem.

4. Vergleich der Verdichtertypen

  • Hubkolbenverdichter: gut regelbar, bewährt in vielen älteren Anlagen, höhere mechanische Belastung, mehr bewegte Teile.
  • Schraubenverdichter: besonders geeignet für Dauerbetrieb und hohe Leistungen, gleichmäßiger Lauf, hohe Anforderungen an Ölqualität und Temperaturführung.
  • Geräusch- und Schwingungsverhalten: Schraubenverdichter arbeiten meist ruhiger, Hubkolben können stärker vibrieren.
  • Wartung: Hubkolbenverdichter benötigen häufiger mechanische Revisionen, Schraubenverdichter erfordern sauberen Ölkreislauf und regelmäßige Öl- und Filterwechsel.
Welche Verdichterbauart besser geeignet ist, hängt von Anlagengröße, Betriebsstunden, Lastprofil und Servicekonzept ab. Die Entscheidung trifft in der Regel der Planer beziehungsweise Anlagenbauer.

5. Überwachung und typische Störgrößen

Unabhängig vom Verdichtertyp müssen bestimmte Größen regelmäßig kontrolliert und dokumentiert werden. Dazu gehören insbesondere:

  • Saug- und Hochdruck: Vergleich mit Sollwerten aus der Betriebsanleitung, Erkennen von Kältemittelmangel oder Überlastung.
  • Öldruck und Ölstand: ausreichende Schmierung sicherstellen, Störabschaltungen ernst nehmen.
  • Motortemperatur, Lager- und Wicklungsschutz: Überhitzung vermeiden.
  • Vibrations- und Geräuschverhalten: Veränderungen können auf mechanische Schäden hinweisen.
  • Start- und Laufzeiten: Häufiger Starts oder ungewöhnlich lange Laufzeiten prüfen und Ursachen klären.

Viele dieser Punkte finden sich auch im Kontrollgang und in der täglichen Dokumentation wieder. Abweichungen sind frühzeitig mit der Kältefachfirma oder dem Servicepartner abzustimmen.

6. Hinweise zu Wartung und Dokumentation

Arbeiten am Verdichter, an Druckbehältern oder an der Kältemittelseite gelten als Wartungs- oder Instandhaltungsmaßnahmen und dürfen nur von befähigten Personen oder zertifizierten Fachfirmen durchgeführt werden. Dazu gehören zum Beispiel der Tausch von Ventilen, die Öffnung des Kurbelgehäuses, das Wechseln von Schraubenrotoren oder Eingriffe in die Sicherheitskette.

Betreiber sind verpflichtet, Wartungen, Reparaturen und Prüfungen nachvollziehbar zu dokumentieren: mit Datum, Art der Maßnahme, beteiligter Firma, Messergebnissen und Unterschrift der verantwortlichen Person. Diese Unterlagen gehören in den Anlagenordner und dienen als Nachweis gegenüber Behörden, Versicherern und Sachverständigen.