Der Eismeister

Eisdickenmessung in der Eishalle

Die Dicke der Eisfläche ist ein entscheidender Faktor für die Betriebssicherheit und Energieeffizienz von Eissportanlagen. Vor allem im laufenden Betrieb gilt: Man sollte die eigene Eisdicke immer kennen – nur dann weiß man, wie viel man noch abhobeln kann, ohne Linierungen, Werbung oder sogar den Untergrund zu beschädigen.

1. Warum die Eisdickenmessung so wichtig ist

Zu dünnes Eis kann die Spielfeldmarkierungen, Werbeflächen oder sogar den Betonuntergrund beschädigen. Zu dickes Eis erhöht den Energieverbrauch und beeinträchtigt die Sichtbarkeit der im Eis eingebetteten Werbung. Eine regelmäßige Kontrolle ist daher unverzichtbar – nicht als „Zusatzaufgabe“, sondern als Grundlage für sichere Entscheidungen.

2. Typische Problemzonen auf der Eisfläche

Die Eisdicke ist nicht überall gleich. In den Kurven sammelt sich oft zu viel Eis, während im Bereich der Tore das Eis schnell zu dünn wird. Diese Unterschiede entstehen durch den Spielbetrieb und die Fahrweise der Eisbearbeitungsmaschine. Nur mit regelmäßiger Messung lässt sich die Eisfläche gezielt optimieren – durch passende Messerhöhen und angepasste Wasseraufträge.

3. Werbeflächen & Sichtbarkeit

Zu viel Eis über der Werbung reduziert deren Sichtbarkeit erheblich. Sponsorenlogos und Linien werden milchig oder verschwinden fast ganz unter der Eisdecke. Gleichzeitig lässt sich durch kontrolliertes Abtragen der Eisschicht Energie sparen. Ziel ist eine optimale Balance zwischen ausreichender Eisdicke und guter Werbewirkung.

Gerade bei Sponsorenflächen ist das ein praktischer Punkt: Wenn Werbung im Laufe der Wochen „verschwindet“, entsteht schnell Diskussion im Verein oder mit den Sponsoren. Mit regelmäßigen Messungen und gezieltem Abtrag lässt sich das vermeiden.

4. Eisdickenprotokoll: Dokumentieren & Auswerten

Ein übersichtliches Protokoll hilft, die Eisqualität langfristig zu sichern. Trage die Messwerte regelmäßig in eine Skizze der Eisfläche ein, um typische Schwachstellen zu erkennen. Diese Protokolle können bei Prüfungen, Versicherungsfällen oder Betriebsoptimierungen eine wichtige Rolle spielen und geben deinem Team klare Anhaltspunkte für die Pflege.

Praktisch bewährt hat sich, immer die gleichen Messpunkte zu verwenden (z. B. Torraum links/rechts, beide Kurven, Mittelkreis, Bandennähe). So sind Werte über Wochen vergleichbar und Veränderungen fallen sofort auf.

5. Eisdickenmessung mit Akkuschrauber & Messschieber

Eine einfache und praxistaugliche Methode zur Messung der Eisdicke kommt ohne Spezialgeräte aus. Sie wird in vielen Eishallen eingesetzt:

  • Mit einem Akkuschrauber ein schmales Loch (4–6 mm) senkrecht bis zum Beton bohren.
  • Anschließend die Tiefe mit einem Messschieber (Tiefenmessstab) bestimmen.
  • Empfohlene Messpunkte: Kurven, Torraum, Bandenlinie, Zentrum (oder feste Protokollpunkte).
  • Bohrloch danach mit Wasser auffüllen und zufrieren lassen.

Wichtig ist sauberes Arbeiten: senkrecht bohren, Messwert direkt notieren und das Loch zuverlässig schließen, damit keine „Sollbruchstelle“ im Eis bleibt.

6. Ultraschallmessung mit dem Krautkrämer DMS 2

Der Krautkrämer DMS 2 ist ein industrielles Ultraschall-Dickenmessgerät, das sich – bei richtiger Anwendung – auch zur Messung von Eisdicken eignet. Die Messung erfolgt durch das Senden von Ultraschallwellen bis zur Betonfläche unter dem Eis. Aus der Laufzeit der Wellen wird die Dicke errechnet.

✅ Was möglich ist:

  • Einsetzbar mit geeigneten Prüfköpfen (Eisprüfkopf, Punktkontakt-Transducer)
  • Gute Kopplung erforderlich (Koppelmittel oder Wasserfilm)
  • Eis muss direkt auf Beton liegen

⚠️ Was zu beachten ist:

  • Nutzung am Eis ist nicht primär vorgesehen
  • Temperatur hat starken Einfluss auf Schallgeschwindigkeit
  • Risse und Lufteinschlüsse verfälschen Messwerte

✅ Fazit: Der DMS 2 ermöglicht eine zerstörungsfreie, sehr genaue Eisdickenmessung, wenn die Besonderheiten der Ultraschalltechnik berücksichtigt werden. In der Praxis eignet er sich besonders für regelmäßige Stichproben, wenn man nicht bohren möchte.

7. Messhäufigkeit: abhängig davon, wie oft täglich Eis gemacht wird

Wie oft gemessen werden sollte, hängt weniger vom Kalender ab – sondern vor allem davon, wie oft täglich die Eisaufbereitung durchgeführt wird. Je häufiger am Tag gehobelt und Wasser aufgetragen wird, desto wichtiger ist die Kontrolle, damit das Eis nicht schleichend zu dünn wird.

  • Viele Eisaufbereitungen pro Tag: häufiger messen (Stichproben), damit Linierung/Werbung nicht beschädigt wird.
  • Wenige Eisaufbereitungen: regelmäßige Kontrolle reicht oft aus, aber immer mit festen Messpunkten.
  • Nach Änderungen an Messer/Wasser: zeitnah messen, um den Effekt sofort zu sehen.
  • Vor/bei Events: prüfen, ob Werbeflächen sichtbar bleiben und kritische Bereiche nicht zu dünn sind.

Der wichtigste Gedanke: Man sollte die Eisdicke immer „im Kopf“ haben, bevor man an der Maschine die Abtragsmenge erhöht. Wer nicht weiß, wie dick das Eis ist, arbeitet im Zweifel „blind“.

8. Messwerte auswerten: Wie viel darf ich noch abhobeln?

Messwerte sind nur dann hilfreich, wenn daraus eine Entscheidung abgeleitet wird. Ziel ist es, jederzeit beurteilen zu können: Wie viel Reserve habe ich noch? und wo darf ich keinesfalls weiter abtragen?

Praktisch bedeutet das:

  • Wenn ein Bereich deutlich dünner ist als der Rest, wird dort der Abtrag reduziert und ggf. gezielt aufgebaut.
  • Wenn Kurven/Bandennähe zu dick sind, kann dort kontrolliert abgetragen werden – aber nur, wenn die Gesamtreserve passt.
  • Werbung und Linierungen sind empfindliche Schichten: zu geringer Eisdicke fehlt die „Schutzschicht“ darüber.

Wer konsequent misst und protokolliert, kann Abtrag und Wasserauftrag viel besser steuern – und vermeidet Schäden, die sonst zu unnötigem Aufwand, schlechter Optik oder Ärger mit Sponsoren führen.

9. Eisdickenmessung mit Rotationslaser (Nivellierlaser)

Grundsätzlich kann auch ein Rotationslaser (Nivellierlaser) genutzt werden, um Höhenunterschiede zu bestimmen – ähnlich wie im Straßenbau. Das Verfahren misst dabei nicht direkt „die Eisdicke“, sondern die Oberflächenhöhe im Vergleich zu einem Referenzniveau.

Damit das funktioniert, muss zu Beginn ein Nullpunkt festgelegt werden – idealerweise, wenn noch kein Eis auf dem Boden ist (Beton/Tragplatte). Danach kann man über die Saison wiederkehrend an definierten Punkten messen und die Differenz als Aufbauhöhe interpretieren.

Wichtig für die Praxis:

  • Der Laser eignet sich besonders, um Höhenprofile zu vergleichen (z. B. Kurven zu dick, Torraum zu niedrig).
  • Für verlässliche Ergebnisse braucht es feste Messpunkte (Markierungen an Bande/Tribüne) und immer die gleiche Messroutine.
  • Als reine „Eisdickenmessung“ ersetzt er das Bohren oder Ultraschall nicht vollständig – er ist aber eine sehr gute zusätzliche Kontrollmethode, um die Fläche im Blick zu behalten.