Der Eismeister

Die Rolle von Öl in Ammoniak-Kälteanlagen

Die Rolle von Öl in Ammoniak-Kälteanlagen

Öl ist für Betriebssicherheit und Effizienz von Ammoniak-Kälteanlagen unverzichtbar – vor allem im Zusammenspiel mit dem Verdichter. Es übernimmt mehrere Funktionen, muss aber gleichzeitig aus dem Kältekreislauf ferngehalten und fachgerecht geführt, getrennt und entsorgt werden.

Hauptfunktionen von Öl

Öl erfüllt in Ammoniakanlagen mehrere zentrale Aufgaben:

  • Schmierung der bewegten Teile im Verdichter – Reibung und Verschleiß werden reduziert, die Lebensdauer steigt.
  • Dichtung zwischen Kolben/Zylinder oder Rotoren – Leckagen werden verhindert, die Kompression bleibt effizient.
  • Kühlung von verdichternahen Bauteilen – Wärme wird aufgenommen und abgeführt, Überhitzung wird vermieden.
  • Abtrennung im Ölabscheider – zurückgeführtes Öl soll nicht im Kältekreislauf zirkulieren und sich in Wärmetauschern ablagern.
  • Besonderheit Ammoniak: geringe Öllöslichkeit – Öl setzt sich eher ab und muss gezielt zurückgeführt bzw. am Abscheider entnommen werden.

Bedeutung der regelmäßigen Wartung

Unkontrollierte Ölzirkulation beeinträchtigt die Wärmeübertragung und kann zu Störungen führen. Deshalb sind erforderlich:

  • regelmäßige Kontrollen und Pflege gemäß Betriebsanleitungen,
  • überwachte Ölstände an den Verdichtern,
  • wirksame Ölabscheidung und dokumentierte Entölung am Abscheider.

Welches Öl ist geeignet?

Der Verdichterhersteller gibt verbindlich vor, welches Kältemaschinenöl zu verwenden ist (Viskosität, Temperaturbeständigkeit, Verträglichkeit mit Ammoniak).

  • Nicht freigegebenes Öl kann Schmierprobleme, Dichtungsschäden und Störungen der Ölabscheidung verursachen – bis hin zum Verdichterschaden.
  • Je nach Verdichtertyp werden mineralische oder synthetische Öle eingesetzt; die Herstellerfreigabe ist maßgeblich.
Öl und Komponenten einer Ammoniak-Kälteanlage

Ölstand prüfen und nachfüllen

Ölstände sind regelmäßig zu kontrollieren und bei Bedarf mit dem freigegebenen Öl nachzufüllen. Jede Nachfüllung wird protokolliert (Datum, Uhrzeit, Menge, Verdichter, ausführende Person). Ein ungewöhnlich hoher Verbrauch weist auf Undichtigkeiten oder Rückführungsprobleme im Ölkreislauf hin und muss untersucht werden.

Zusammenhang Ölzugabe und Entölung

Wer viel Öl nachfüllt, muss in der Regel auch häufiger am Abscheider entölen. Werden wenig Ölzugaben dokumentiert, sollte auch nur geringe Ölmenge im Abscheider anfallen. Abweichungen deuten auf Fehlfunktionen im Ölkreislauf hin.

Altöl: Lagerung und Entsorgung

Beim Entölen anfallendes Öl kann mit Ammoniak behaftet sein. Es ist getrennt zu sammeln, kontrolliert ausgasen zu lassen und über eine zertifizierte Fachfirma zu entsorgen. Lagerung nur in geeigneten, belüfteten Bereichen – nie im Maschinenraum.

Warum Altöl nicht im Maschinenraum gelagert werden darf

Altöl aus Ammoniakanlagen unterliegt besonderen Sicherheits- und Lageranforderungen. Die Lagerung im Maschinenraum ist rechtlich und sicherheitstechnisch unzulässig, weil sie zusätzliche Gefährdungen im Störfall erzeugt und gegen mehrere Vorgaben der GefStoffV und TRAS 110 verstößt.

1. Sicherheit im Störfall – Vorgaben nach TRAS 110

Der Maschinenraum ist ein Bereich, in dem im Störfall (z. B. Ammoniakfreisetzung) höchste Anforderungen an Sicherheit und Freihalten von Gefahrenquellen gelten.

„Anlagen und Stoffe sind so anzuordnen, dass sie im Störfall nicht zur Gefährdung beitragen und Auswirkungen einer Freisetzung begrenzt werden.“ – sinngemäß TRAS 110

Altöl im Maschinenraum stellt eine zusätzliche Brand-, Umwelt- und Ammoniakgefahr dar und würde bei einem Störfall die Risiken erhöhen.

2. Gefahrstoffrecht – Lagerung nur in geeigneten, separaten Räumen

Nach Gefahrstoffverordnung und TRAS 110 dürfen Gefahrstoffe nur in dafür vorgesehenen, geeigneten und belüfteten Bereichen gelagert werden. Ein Maschinenraum erfüllt diese Anforderungen nicht.

  • kein ausgewiesener Lagerort nach GefStoffV,
  • keine sichere Belüftung für Öldämpfe oder Ammoniakausdünstungen,
  • Maschinenraum ist ein potenzieller Störfallbereich,
  • keine Auffangwannen oder Sicherungsmaßnahmen vorhanden.
„Gefahrstoffe sind so zu lagern, dass Emissionen minimiert und Gefährdungen ausgeschlossen werden.“ – sinngemäß TRAS 110 / GefStoffV

3. Ammoniak-Kontamination: Altöl kann ausgasen

Das beim Entölen gewonnene Öl enthält häufig gebundenes Ammoniak. Dieses kann je nach Temperatur und Füllstand über Stunden oder Tage ausgasen und dadurch:

  • die Raumluft im Maschinenraum belasten,
  • Messwerte der Gaswarnanlage verfälschen,
  • zu einer Atemschutzpflicht führen,
  • im schlimmsten Fall Störungen provozieren.
„Freisetzungen von Gefahrstoffen sind durch geeignete technische und organisatorische Maßnahmen zu verhindern.“ – sinngemäß TRAS 110

4. Praktische Konsequenz: Lagerung immer außerhalb

Altöl muss in einem separaten, gut belüfteten Raum außerhalb des Maschinenraums gelagert werden. Dort kann es kontrolliert ausgasen, bevor es als klassisches Altöl entsorgt wird.