Der Eismeister
Schaltschränken bei Ammoniak-Kälteanlagen
Schaltschränke bei Ammoniak-Kälteanlagen
Der Schaltschrank einer Ammoniak-Kälteanlage übernimmt zentrale Aufgaben für den sicheren Betrieb. Er steuert die Verdichter, Pumpen und weitere Anlagenteile und ist damit das Herzstück für Bedienung, Überwachung und Notabschaltung. Die Sicherheit und Funktionsfähigkeit des Schaltschranks hat daher einen entscheidenden Einfluss auf den gesamten Anlagenbetrieb.
Aufstellung von Schaltschränken außerhalb des Maschinenraums
Nach der TRAS 110 ist festgelegt, dass sich Schaltschränke neuer Ammoniak-Kälteanlagen nicht im Maschinenraum befinden dürfen. Damit sollen Bedienung, Notabschaltung und Kontrolle auch im Störungsfall jederzeit möglich bleiben.
„Bei Neuanlagen sind die Elektroschaltschränke außerhalb des Maschinenraums vorzusehen.“ (TRAS 110, Nummer 4.2.1 Abs. 8)
Im Störungsfall, beispielsweise bei einer Ammoniakfreisetzung, könnte ein im Maschinenraum stehender Schaltschrank nicht mehr sicher erreicht werden. Die sichere Bedienung und Notabschaltung wäre erschwert oder unmöglich. Die TRAS 110 stellt daher klar, dass der Schaltschrank gut erreichbar, zugänglich und außerhalb des Gefahrenbereichs installiert sein muss.
Schaltschränke immer auf dem aktuellen Stand der Technik
Schaltschränke müssen nach TRAS 110 und BImSchG stets dem aktuellen Stand der Technik entsprechen. Auch ältere Anlagen benötigen regelmäßige Überprüfung, Modernisierung und fachgerechte Anpassungen.
„Kälteanlagen sind nach dem aktuellen Stand der Technik zu betreiben.“ (TRAS 110, Nummer 4.1)
Dies betrifft insbesondere sicherheitsrelevante Funktionen wie Notabschaltung, Verriegelungen, Gaswarnanbindung oder den Betrieb bei Störungen. Durch regelmäßige Prüfungen kann gewährleistet werden, dass alle Sicherheitsfunktionen zuverlässig arbeiten.
Fernwartung – sinnvoll, aber kein Ersatz für Vor-Ort-Kontrollen
Moderne Schaltschränke verfügen häufig über Fernwartungssysteme. Diese ermöglichen komfortable und schnelle Reaktionen auf Fehlermeldungen oder Abweichungen – auch außerhalb der Anlage.
Dennoch ersetzt Fernwartung niemals die regelmäßige Kontrolle im Maschinenraum. Der Maschinenraum muss weiterhin betreten und mit allen Sinnen überprüft werden, um ungewöhnliche Geräusche, Gerüche oder sichtbare Auffälligkeiten rechtzeitig zu erkennen.
Ex-Ausführung – wann erforderlich?
Ein Maschinenraum einer Ammoniak-Kälteanlage ist im Normalbetrieb kein explosionsgefährdeter Bereich, sofern er dem Stand der Technik entspricht und mit Gaswarnanlage, Notlüftung und Abschalteinrichtungen ausgestattet ist.
„Eine Zoneneinteilung im Maschinenraum ist bei Einhaltung des Standes der Technik nicht erforderlich.“ (TRAS 110, Nummer 4.5.1)
Erst bei größeren Ammoniakfreisetzungen über 30.000 ppm fordert die TRAS, dass nicht explosionsgeschützte elektrische Anlagen spannungsfrei geschaltet werden müssen. Geräte, die weiterlaufen sollen (z. B. Sicherheitsbeleuchtung oder Abluftventilatoren), müssen dann in explosionsgeschützter Ausführung betrieben werden.
Rechtliche Grundlagen
- TRAS 110 – Technische Regeln für Anlagensicherheit
- BImSchG – Bundes-Immissionsschutzgesetz
- 12. BImSchV – Störfallverordnung
- BetrSichV – Betriebssicherheitsverordnung
- TRBS 1201 – Prüfungen von Arbeitsmitteln