Der Eismeister
Kälte-Anlagen
Kälte-Anlagen
Kälte-Anlagen sind das Herzstück jeder Eissporthalle. Sie entziehen der Piste kontinuierlich Wärme, damit sich eine stabile Eisfläche bildet und erhalten bleibt. Unter der Eisfläche verlegte Rohrleitungen transportieren ein Medium, das die Wärme aufnimmt und abführt. Im Betrieb unterscheidet man direkte und indirekte Kühlung sowie natürliche und synthetische Kältemittel.
Besonderheiten in Eissporthallen
In vielen Eishallen wird Ammoniak eingesetzt. Es ist effizient und klimafreundlich, erfordert aber klare technische und organisatorische Maßnahmen. Für Betrieb, Gefahrenabwehr, Gaswarntechnik, Lüftung des Maschinenraums und Fachkunde sind Vorgaben aus TRAS 110 und der Betriebssicherheitsverordnung maßgeblich.
Direkte und indirekte Kühlung
Was ist direkte Kühlung?
Das Kältemittel strömt direkt durch das zu kühlende System und gibt die aufgenommene Wärme im Kreislauf an die Umgebung ab. Diese Lösung ist kompakt und reagiert sehr schnell auf Laständerungen.
Was ist indirekte Kühlung?
Ein Kälteträger wie Sole oder Glykol übernimmt den Transport zur Eisfläche. Das reduziert die Kältemittelmenge im Feld und ist vorteilhaft für verzweigte Systeme, reagiert aber träger als direkte Kühlung.
Direkt oder indirekt: Entscheidung
- Größe und Struktur der Anlage
- Kältemittelmenge und Sicherheit
- Temperatur- und Regelanforderungen
- Wartung, Zugänglichkeit, Lebenszykluskosten
- Energieeffizienz, Wärmerückgewinnung, künftig geplante Erweiterungen
Komponenten im Maschinenraum
Die zentralen Aggregate arbeiten im Kreislauf zusammen. Ausführliche Darstellungen stehen hier: 👉 Kältekreislauf
- Verdichter: Schrauben- oder Kolbenverdichter erhöhen Druck und Temperatur des Kältemittels.
- Verflüssiger: gibt Wärme an die Umgebung ab, z. B. über Wärmetauscher oder Kühlturm.
- Expansionsventil: senkt Druck und Temperatur für die Verdampfung.
- Verdampfer: unter der Eisfläche; entzieht dem Wasser Wärme, die Piste gefriert.
Kälteträger und Auswahl
In indirekten Systemen transportiert ein Kälteträger die Kälte von zentralen Aggregaten zur Eisfläche. Gängig sind Wasser, Glykol-Wasser-Gemische, Salzlösungen, Alkohole oder Silikonflüssigkeiten; je nach Konzept auch CO₂. Auswahlkriterien: Zieltemperatur und Gefrierpunkt, Viskosität/Druckverlust, Korrosionsschutz, Umweltaspekte, Kosten.
Kältemittel: Überblick
Man unterscheidet natürliche und synthetische Kältemittel. In Eissportanlagen hat sich Ammoniak wegen Effizienz und sehr geringer Klimawirkung durchgesetzt, CO₂ und Propan kommen je nach Konzept hinzu.
Natürliche Kältemittel
Diese Kältemittel haben in der Regel kein Ozonabbaupotenzial und ein niedriges bis null Treibhauspotenzial. Sie sind ökologisch vorteilhaft, erfordern je nach Medium besondere technische Maßnahmen.
- NH3 Ammoniak
- kein relevanter Einfluss auf den Treibhauseffekt
- kein Beitrag zum Ozonabbau
- geringe Entflammbarkeit, sehr giftig
- günstige Betriebskosten
- häufigstes Kältemittel in Eissporthallen
- CO2
- nicht entflammbar, kein Ozonabbau
- höhere Systemdrücke bis etwa 50 bar
- in Eishallen je nach Konzept und Auslegung
- Propan
- gute Effizienz, brennbar, besondere Schutzmaßnahmen
- häufiger in kleineren Anlagen
Unnatürliche Kältemittel
Synthetische Medien werden nach Umweltwirkung und Regularien bewertet. Ältere Stoffe mit hohem Ozonabbau- oder Treibhauspotenzial sind stark eingeschränkt.
- Chlorfluorkohlenwasserstoffe CFCs
- R-11, R-12, R-113; historisch verbreitet, heute weitgehend verboten
- Hydrochlorfluorkohlenwasserstoffe HCFCs
- R-22, R-123; geringerer Ozonabbau als CFCs, auslaufend
- Hydrofluorkohlenwasserstoffe HFCs
- R-134a, R-404A, R-410A; kein Ozonabbau, teils hohes Treibhauspotenzial, durch Kigali-Abkommen begrenzt
- Hydrofluorolefine HFOs
- R-1234yf u. a.; sehr niedriges Treibhauspotenzial und kein Ozonabbau
Wartung und Dokumentation
Sicherheit und Effizienz basieren auf regelmäßiger Wartung, Funktionsprüfungen und nachvollziehbarer Dokumentation. Eine praxisnahe Übersicht steht hier: 👉 Wartungsarbeiten
Zentrale Anforderungen an Organisation, Prüfung und Fachkunde ergeben sich aus TRAS 110 und der Betriebssicherheitsverordnung. Die Nachweise sollten jederzeit im Anlagenordner verfügbar sein.
Meine Einschätzung
Meine Einschätzung
Für Eissporthallen ist eine direkte Kühlung mit Ammoniak in vielen Fällen die beste Wahl. Leckagen werden durch den charakteristischen Geruch schnell bemerkt, der erforderliche Systemdruck ist deutlich geringer als bei CO₂ und die Regelung reagiert sehr schnell auf Laständerungen. Direkte Ammoniakkühlung ist effizient, umweltgerecht und reaktionsschnell, erfordert aber Fachkunde und konsequente Wartungsdisziplin.