Der Eismeister

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Wasser in der Eishalle – Grundlage für gutes Eis

Wasser ist der wichtigste Rohstoff beim Aufbau und bei der täglichen Pflege einer Eisfläche. Seine Qualität, Temperatur und Menge beeinflussen nicht nur die Optik des Eises, sondern auch Härte, Gleichmäßigkeit, Energieverbrauch und den Pflegeaufwand während der Saison.

Für den Eismeister bedeutet das: Wasser ist nicht einfach nur das Material, das nach dem Hobeln wieder auf die Eisfläche aufgetragen wird. Wer seine Wasserqualität kennt und den Wasserauftrag bewusst steuert, kann die Eisqualität deutlich besser beeinflussen.

Merksatz 1:
Die Qualität des Eises kann niemals besser sein als die Qualität des verwendeten Wassers.
Merksatz 2:
Die Wasserqualität beeinflusst die Eisqualität erheblich – sie ist jedoch nur ein Teil des Gesamtsystems. Eine hochwertige Eisfläche entsteht aus dem Zusammenspiel von Wasserqualität, Ebenheit, Eisdicke, Temperatur, Messerabtrag und Wasserauftrag.

1. Wie viel Wasser steckt in einer Eisfläche?

Bereits beim Eisaufbau werden enorme Wassermengen benötigt. Eine typische Eishockeyfläche mit rund 1.800 m² enthält bei einer Eisstärke von etwa 3,5 cm ungefähr 63 m³ Eis. Dafür werden – unter Berücksichtigung der Volumenausdehnung beim Gefrieren sowie kleiner Verluste während des Eisaufbaus – in der Praxis etwa 62.000 bis 63.000 Liter Wasser benötigt.

Beispielrechnung:

Eisvolumen: 1.800 m² × 0,035 m = 63 m³ Eis Da Eis eine geringere Dichte als flüssiges Wasser besitzt, entspricht dies einer etwas geringeren Wassermenge.
Wichtig: Der tatsächliche Wasserbedarf hängt vom gewünschten Eisaufbau, vom Verfahren und von den örtlichen Bedingungen der jeweiligen Anlage ab.

Für den Betrieb ist deshalb weniger eine theoretische Literzahl entscheidend als die Frage, wie kontrolliert das Wasser aufgetragen und wie viel davon tatsächlich als nutzbare Eisschicht aufgebaut wird.

2. Wasserqualität – mehr als nur Kalk

Die Wasserqualität beeinflusst die Eisfläche stärker, als häufig angenommen wird. Im Wasser befinden sich je nach Herkunft unterschiedliche gelöste Mineralstoffe und Salze.

Beim Gefrieren verschwinden diese Stoffe nicht. Sie beeinflussen vielmehr den Aufbau und die Eigenschaften der entstehenden Eisschicht.

Mögliche Auswirkungen ungünstiger Wasserqualität:
  • milchiges oder trübes Eis
  • schlechtere Sichtbarkeit von Linierungen und Werbung
  • weichere oder ungleichmäßige Eisbereiche
  • Mineralablagerungen an Geräten und Leitungen
  • zusätzlicher Pflegeaufwand
  • ungünstigerer Energiebedarf

Deshalb lohnt es sich, das verwendete Rohwasser nicht nur nach Gefühl zu beurteilen, sondern seine wichtigsten Eigenschaften tatsächlich zu kennen.

3. Exkurs: Elektrische Leitfähigkeit des Wassers

Ein wichtiger Kennwert bei der Beurteilung von Wasser ist die elektrische Leitfähigkeit. Sie wird in µS/cm (Mikrosiemens pro Zentimeter) angegeben und beschreibt, wie gut Wasser elektrischen Strom leiten kann.

Ursache dafür sind gelöste Ionen, beispielsweise Calcium-, Magnesium-, Natrium- oder Chloridionen. Je mehr dieser Stoffe im Wasser gelöst sind, desto höher ist in der Regel die elektrische Leitfähigkeit.

Die Leitfähigkeit des Rohwassers ist ein wichtiger Orientierungswert für die Beurteilung der Wasserqualität bei der Eisbereitung.

Quelle: Pius Frey, 20. IAKS-Eismeisterschulung 2017, sinngemäß zusammengefasst.
Praxis:
Eine geringe Leitfähigkeit weist häufig auf einen niedrigen Gehalt an gelösten Mineralstoffen hin. Dies kann die Herstellung einer klaren und homogenen Eisfläche begünstigen.

Die Leitfähigkeit allein erlaubt jedoch keine Aussage darüber, welche Stoffe tatsächlich im Wasser enthalten sind. Deshalb ersetzt sie keine vollständige Wasseranalyse.

Wichtig:
Es gibt keinen allgemein gültigen Grenzwert, ab dem Wasser für die Eisbereitung als „gut“ oder „schlecht“ einzustufen ist. Die Leitfähigkeit ist vielmehr ein Orientierungswert, der immer zusammen mit weiteren Parametern wie Wasserhärte, pH-Wert und der gesamten Wasserzusammensetzung betrachtet werden sollte.

4. Was passiert mit gelösten Salzen beim Gefrieren?

Beim Gefrieren entsteht zunächst bevorzugt relativ reines Eis. Ein Teil der gelösten Stoffe wird dabei in das noch flüssige Wasser verdrängt.

Dadurch steigt in diesem verbleibenden Wasser die Konzentration der gelösten Salze. Gleichzeitig verändert sich sein Gefrierverhalten.

Beim Gefrieren werden gelöste Verunreinigungen und Salze zunehmend in den noch flüssigen Wasseranteil verdrängt. Dadurch steigt dort die Konzentration der gelösten Stoffe und der Gefrierpunkt kann sinken.

Quelle: Pius Frey, 20. IAKS Eismeisterschulung 2017, Abschnitt „Was bewirken diese Salze in der Eisschicht?“, sinngemäß zusammengefasst

Solche Bereiche können sich optisch und mechanisch anders verhalten als sauberes, homogenes Eis. Der Vortrag beschreibt unter anderem milchige, weichere oder teilweise schichtartige Eisbereiche als mögliche Folge ungünstiger Salzkonzentrationen.

Für den Eismeister bedeutet das: Wasserqualität ist nicht nur eine Frage der Optik. Sie kann auch beeinflussen, wie sich eine Eisfläche über eine komplette Saison entwickelt.

5. Wasserhärte

Die Wasserhärte beschreibt hauptsächlich den Anteil gelöster Calcium- und Magnesiumverbindungen. Diese Stoffe gehören zu den sogenannten Härtebildnern.

Die Wasserhärte wird im Wesentlichen durch gelöste Erdalkalimetalle bestimmt. Bei natürlichen Wässern spielen vor allem Calcium und Magnesium eine Rolle.

Quelle: Pius Frey, 20. IAKS Eismeisterschulung 2017, Abschnitt „Wasserhärte“, sinngemäß zusammengefasst

Sehr hartes Wasser kann zu Kalkablagerungen führen. Betroffen sein können unter anderem Wasserleitungen, Düsen, Tanks und andere Bauteile der Eisaufbereitungsmaschine.

Zu stark enthärtetes oder vollständig entmineralisiertes Wasser ist jedoch ebenfalls nicht automatisch für jede Anlage die perfekte Lösung. Wasseraufbereitung muss immer zur vorhandenen Technik und Wasserqualität passen.

Praxis:
Nicht einfach „so weich wie möglich“ anstreben. Entscheidend ist eine geeignete Wasserqualität für die konkrete Anlage.

6. Wasseraufbereitung

Je nach Rohwasserqualität kann eine Wasseraufbereitung sinnvoll sein. Welche Technik dafür geeignet ist, hängt davon ab, welches Problem tatsächlich vorliegt.

Mögliche Verfahren sind zum Beispiel:
  • Filtration
  • Enthärtung
  • Teilentsalzung
  • Entmineralisierung
  • Umkehrosmose
  • andere anlagenspezifische Aufbereitungsverfahren

Eine Anlage sollte deshalb nicht allein aufgrund eines einzelnen Messwertes angeschafft werden. Sinnvoll ist zunächst eine Analyse des vorhandenen Wassers und anschließend die Auswahl eines zur tatsächlichen Situation passenden Verfahrens.

7. Die richtige Wassertemperatur

Die Temperatur des Wassers beeinflusst die Eisaufbereitung und gleichzeitig den Energieverbrauch. Je wärmer das aufgetragene Wasser ist, desto mehr Wärme muss anschließend durch die Kälteanlage abgeführt werden.

Andererseits kann erwärmtes Wasser bei bestimmten Anlagen und Betriebsweisen Vorteile bei Oberflächenqualität und Verarbeitung bieten.

Wichtig:
Die genannten Werte sind keine allgemeingültige Vorschrift. Die optimale Wassertemperatur hängt von Maschine, Wasserqualität, Eiszustand, Nutzung und den Erfahrungen der jeweiligen Halle ab.

Für Betreiber lohnt sich deshalb ein praktischer Versuch: Wassertemperatur schrittweise verändern und dabei Eisqualität, Gefrierzeit und Energieverbrauch beobachten.

8. Wasserauftrag beim Eisaufbau

Beim Neuaufbau einer Eisfläche sollte Wasser kontrolliert und in dünnen Schichten aufgetragen werden. Ziel ist eine kompakte, möglichst homogene Eisschicht.

Dicke Wasserschichten benötigen deutlich länger zum Gefrieren und erhöhen das Risiko, dass Luft, Schmutz oder unterschiedliche Strukturen eingeschlossen werden.

Praxisregel:
Lieber kontrolliert mehrere dünne Schichten aufbauen als große Wassermengen auf einmal auf die Fläche bringen.

Wie viel Wasser pro Arbeitsgang sinnvoll ist, hängt von Untergrund, Temperatur, Kälteanlage, Witterung und gewünschtem Eisaufbau ab.

9. Wasser bei der täglichen Eisaufbereitung

Im täglichen Betrieb arbeitet die Eisaufbereitungsmaschine nach einem einfachen Prinzip: beschädigtes Eis wird abgetragen und anschließend wird eine neue dünne Wasserschicht aufgebracht.

Entscheidend ist das Verhältnis zwischen Abtrag und Wasserauftrag. Wird dauerhaft mehr Wasser aufgebracht als Eis entfernt wird, wächst die Eisfläche langsam an.

Wird dagegen dauerhaft mehr abgehobelt als wieder aufgebaut wird, wird die Eisfläche zunehmend dünner.

Praxisgedanke:
Die Wasserregelung der Eisaufbereitungsmaschine sollte nicht einfach immer auf derselben Stellung bleiben. Sie sollte zum Zustand der Eisfläche und zum gewünschten Ergebnis passen.

10. Wasser und Energieverbrauch

Jede Wassermenge, die auf die Eisfläche gelangt, muss zunächst auf 0 °C heruntergekühlt und anschließend gefroren werden. Danach muss das entstandene Eis gegebenenfalls noch weiter auf die gewünschte Eistemperatur heruntergekühlt werden.

Der eigentliche Phasenwechsel von flüssigem Wasser zu Eis benötigt dabei einen erheblichen Teil der Kühlenergie.

In einem Berechnungsbeispiel des Fachvortrags entfallen bei 30 °C Reinigungswasser und einer Eistemperatur von −6 °C rund 75 bis 80 % der betrachteten Kühlenergie auf den eigentlichen Phasenwechsel von Wasser zu Eis.

Quelle: Pius Frey, 20. IAKS Eismeisterschulung 2017, Abschnitt „Energie“, Berechnungsbeispiel
Einfach gesagt:
Wasser, das unnötig auf die Eisfläche gebracht wird, kostet doppelt: Es muss zuerst gefroren und später gegebenenfalls wieder abgehobelt werden.

Deshalb gehören Wasserverbrauch, Eisaufbereitung und Eisdickenkontrolle immer zusammen.

11. Wasserqualität regelmäßig kennen und prüfen

Viele Betreiber kennen die Trinkwasserwerte ihres Versorgers, aber nicht unbedingt die für den Eisaufbau tatsächlich relevanten Werte am eigenen Wasseranschluss.

Sinnvoll kann deshalb sein, das verwendete Wasser regelmäßig beziehungsweise bei Veränderungen untersuchen zu lassen.

Interessante Werte können sein:
  • elektrische Leitfähigkeit
  • Gesamthärte
  • Calcium
  • Magnesium
  • Chlorid
  • Sulfat
  • pH-Wert
  • gegebenenfalls weitere Parameter entsprechend der örtlichen Situation

Besonders interessant wird eine Analyse dann, wenn sich die Eisqualität verändert, ungewöhnliche Ablagerungen auftreten oder eine Wasseraufbereitung geplant wird.

12. Wasserverbrauch und Nachhaltigkeit

Wasser ist nicht nur ein Qualitäts-, sondern auch ein Kosten- und Umweltfaktor. Über eine komplette Saison werden erhebliche Mengen für Eisaufbau, tägliche Aufbereitung und gegebenenfalls Reparaturen benötigt.

Einsparpotenzial entsteht vor allem dadurch, nicht mehr Wasser als tatsächlich notwendig aufzutragen.

Mögliche Ansatzpunkte:
  • Wasserauftrag an den tatsächlichen Eiszustand anpassen.
  • Eisdicke regelmäßig kontrollieren.
  • unnötigen Eisaufbau vermeiden.
  • Wassertemperatur optimieren.
  • Wasserverluste und Leckagen vermeiden.
  • Wasseraufbereitung nur so intensiv betreiben wie erforderlich.
  • Schmelzwasser- oder Wärmerückgewinnung prüfen, sofern technisch sinnvoll.

13. Die 10 wichtigsten Regeln

  • ✅ Die Qualität des verwendeten Wassers kennen.
  • ✅ Leitfähigkeit und Wasserhärte nicht miteinander verwechseln.
  • ✅ Bei Problemen eine Wasseranalyse durchführen.
  • ✅ Wasseraufbereitung an die tatsächliche Rohwasserqualität anpassen.
  • ✅ Wassertemperatur nicht unnötig hoch wählen.
  • ✅ Beim Eisaufbau kontrolliert in dünnen Schichten arbeiten.
  • ✅ Wasserauftrag und Messerabtrag aufeinander abstimmen.
  • ✅ Unnötigen Eisaufbau vermeiden.
  • ✅ Veränderungen der Eisqualität ernst nehmen.
  • ✅ Wasser als wichtigen Betriebs- und Energiefaktor behandeln.

14. Fazit

Wasser entscheidet wesentlich darüber, wie sich eine Eisfläche aufbauen und über eine Saison pflegen lässt. Dabei geht es nicht nur um Kalk oder um die Frage, ob warmes oder kaltes Wasser verwendet wird.

Besonders interessant sind die Zusammensetzung des Rohwassers, seine Leitfähigkeit, die Wasserhärte und der Umgang mit gelösten Mineralstoffen.

Wer diese Zusammenhänge kennt, kann Wasseraufbereitung, Temperatur und Wasserauftrag wesentlich gezielter an die eigene Eissportanlage anpassen.

Das Ziel ist nicht das chemisch „reinste“ Wasser um jeden Preis, sondern eine Wasserqualität, die zur eigenen Anlage passt und zuverlässig gutes Eis ermöglicht.

Quellen und fachliche Grundlagen:
Dieser Artikel basiert auf allgemein anerkannten physikalischen Grundlagen, praktischen Erfahrungen aus dem Betrieb von Eissportanlagen sowie auf Fachvorträgen und Veröffentlichungen von Pius Frey zum Thema Eisqualität und Wasseraufbereitung.

Stand: 15.08.2026 – regelmäßige fachliche Überprüfung empfohlen.

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