Der Eismeister
Hohlschliff (ROH) bei Schlittschuhen
Der Hohlschliff gehört zu den wichtigsten Grundlagen beim Schleifen von Schlittschuhen. Er beeinflusst unmittelbar, wie viel Halt die Kufe auf dem Eis besitzt, wie leicht sie gleitet und wie sich der Schlittschuh beim Bremsen, Beschleunigen und in Kurven anfühlt.
Dabei gibt es nicht den einen perfekten Hohlschliff für jeden Läufer. Körpergewicht, Lauftechnik, Sportart, persönliche Vorlieben und auch die Härte der Eisfläche können Einfluss darauf haben, welcher Schliff als angenehm empfunden wird.
Besonders häufig sorgt die Bezeichnung ROH für Verwirrung. Hinzu kommt, dass in Deutschland meist Millimeter verwendet werden, während in Kanada und den USA Angaben wie 1/2", 5/8" oder 3/8" üblich sind. Gemeint ist aber immer dasselbe: der Radius der Hohlkehle unter der Kufe.
Kleiner Radius = tieferer Hohlschliff = mehr Grip.
Größerer Radius = flacherer Hohlschliff = mehr Gleiten.
1. Was ist ein Hohlschliff?
Die Unterseite einer klassischen Schlittschuhkufe ist nicht vollständig gerade. Beim Schleifen wird eine leicht konkave Vertiefung – die sogenannte Hohlkehle – in die Kufe geschliffen.
Dadurch entstehen zwei definierte Kanten: die Innenkante und die Außenkante. Diese Kanten greifen beim Kurvenfahren, Bremsen und Beschleunigen in das Eis und geben dem Läufer den notwendigen seitlichen Halt.
Ohne Hohlkehle fehlt der Kufe der charakteristische Kantengriff. Der Hohlschliff bestimmt, wie ausgeprägt dieser Griff ist.
2. Was bedeutet ROH?
ROH ist die englische Abkürzung für Radius of Hollow. Übersetzt bedeutet das sinngemäß Radius der Hohlkehle.
Der Wert beschreibt also nicht die tatsächliche Tiefe der Rinne in Millimetern, sondern den Radius des gedachten Kreises, dessen Rundung in die Unterseite der Kufe geschliffen wird.
Das führt zunächst zu einem scheinbaren Widerspruch: Je kleiner die Zahl, desto tiefer wird der Hohlschliff.
Ein ROH von 9,5 mm ist deutlich tiefer und griffiger als ein ROH von 19 mm. Die kleinere Zahl bedeutet also nicht „weniger Schliff“, sondern mehr ausgeprägte Hohlkehle.
3. Tiefer oder flacher Hohlschliff?
Ein tiefer Hohlschliff erzeugt ausgeprägtere Kanten. Die Kufe greift stärker in das Eis, wodurch mehr Halt entsteht. Gleichzeitig steigt jedoch der Widerstand beim Gleiten.
Bei einem flacheren Hohlschliff dringt die Kufe weniger tief in das Eis ein. Dadurch reduziert sich der Widerstand und der Schlittschuh kann leichter gleiten. Dafür ist der Kantengriff geringer.
- mehr Kantengriff
- stärkeres Gefühl beim Bremsen
- mehr Halt in Kurven
- höherer Gleitwiderstand
- weniger Kantengriff
- leichteres Gleiten
- weniger Widerstand
- Kanten müssen aktiver eingesetzt werden
Genau deshalb ist ein tieferer Schliff nicht automatisch besser. Beim Hohlschliff geht es immer um den richtigen Kompromiss zwischen Grip und Gleitfähigkeit.
4. Millimeter und Zoll – warum gibt es zwei Angaben?
In Deutschland und vielen europäischen Schleifbetrieben wird der Hohlradius häufig in Millimetern angegeben.
In Kanada und den USA ist dagegen die Angabe in Zoll beziehungsweise Inch üblich. Dort begegnet man deshalb häufig Bezeichnungen wie 3/8", 1/2", 5/8" oder 3/4".
Beide Systeme beschreiben exakt denselben Radius.
1 Zoll (1") = 25,4 mm
Ein Beispiel: Ein amerikanischer Hohlschliff von 1/2" entspricht einem Radius von 12,7 mm. Wird in einem deutschen Schleifbetrieb also von etwa 13 mm gesprochen, liegt dieser Schliff sehr nahe am amerikanischen 1/2"-Schliff.
5. Vergleich typischer Hohlradien
| ROH in Zoll | Radius in Millimeter | Charakter |
|---|---|---|
| 3/8" | ca. 9,5 mm | sehr tief – viel Grip |
| 7/16" | ca. 11,1 mm | griffig |
| 1/2" | 12,7 mm | ausgewogener Allround-Bereich |
| 5/8" | ca. 15,9 mm | mehr Gleiten |
| 3/4" | ca. 19,1 mm | flach – deutlich mehr Gleiten |
| 1" | 25,4 mm | sehr flach – sehr wenig Bite |
Besonders anschaulich ist der Vergleich mit einer 2-Euro-Münze. Sie besitzt einen Durchmesser von ungefähr 25,75 mm und damit einen Radius von rund 12,9 mm. Das liegt sehr nahe am klassischen 1/2"-Hohlschliff mit 12,7 mm.
6. Welcher Hohlschliff ist der richtige?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Der gleiche Hohlschliff kann sich bei zwei Läufern völlig unterschiedlich anfühlen.
Wer seinen persönlichen Radius noch nicht kennt, kann mit einem mittleren Hohlschliff beginnen und anschließend ausprobieren, ob etwas mehr Grip oder etwas mehr Gleitfähigkeit gewünscht wird.
Ein Hohlschliff um 12 bis 13 mm beziehungsweise etwa 1/2" ist ein verbreiteter Ausgangspunkt, von dem aus man sich Schritt für Schritt an den persönlichen Wunschschliff herantasten kann.
Fühlt sich der Schlittschuh beim Bremsen oder in Kurven zu rutschig an, kann ein etwas kleinerer Radius ausprobiert werden.
Fühlt sich die Kufe dagegen sehr aggressiv an, „beißt“ stark ins Eis oder kostet das Gleiten unnötig Kraft, kann ein etwas größerer Radius angenehmer sein.
7. Was beeinflusst die Auswahl des ROH?
Nicht nur die persönliche Vorliebe entscheidet über den passenden Hohlschliff. Mehrere Faktoren beeinflussen das Fahrgefühl.
- Körpergewicht: Ein schwererer Läufer drückt die Kanten stärker in das Eis.
- Eishärte: Auf sehr hartem Eis kann ein griffigerer Schliff angenehmer sein.
- Weiches Eis: Hier kann ein tiefer Schliff schnell zu aggressiv wirken.
- Lauftechnik: Fortgeschrittene Läufer können flachere Schliffe häufig aktiver über die Kanten fahren.
- Sportart: Eishockey, Eiskunstlauf und Torhüter stellen unterschiedliche Anforderungen.
- Persönliches Gefühl: Am Ende muss sich der Schlittschuh für den Läufer sicher und kontrollierbar anfühlen.
Es gibt keinen Hohlschliff, der für jeden Läufer perfekt ist. Empfehlungen sind immer nur Ausgangspunkte.
8. Beide Kanten müssen gleich hoch sein
Der richtige ROH allein reicht für einen guten Schliff nicht aus. Mindestens genauso wichtig ist, dass Innen- und Außenkante über die gesamte Kufe exakt auf gleicher Höhe liegen.
Ist eine Kante höher als die andere, ist der Hohlschliff nicht sauber mittig in die Kufe geschliffen. Das kann dazu führen, dass der Schlittschuh auf einer Seite stärker greift und auf der anderen Seite leichter wegrutscht.
- unsicheres Fahrgefühl
- einseitiges Wegrutschen
- unterschiedlicher Kantengriff
- Probleme beim Kantenwechsel
- ungewohnt aggressives Einsetzen einer Kante
Ein vermeintlich perfekter 12,7-mm- oder 1/2"-Schliff ist deshalb wertlos, wenn die beiden Kanten anschließend nicht gleich hoch sind.
9. Kontrolle mit einem Edge-Prüfer
Ob beide Kanten wirklich gleich hoch sind, lässt sich mit bloßem Auge nur sehr schwer zuverlässig beurteilen. Professionelle Schleifbetriebe verwenden deshalb einen Edge-Prüfer beziehungsweise Kantenhöhenprüfer.
Das Messgerät wird auf die geschliffene Kufe gesetzt und zeigt, ob Innen- und Außenkante exakt auf einer Ebene liegen. Dadurch lässt sich unmittelbar kontrollieren, ob der Hohlschliff mittig ausgeführt wurde.
Die Kontrolle mit dem Edge-Prüfer sollte zum Schleifvorgang dazugehören. Erst wenn Radius, Kanten und Kantenhöhe stimmen, ist der Schliff vollständig kontrolliert.
10. Fazit
Der ROH – Radius of Hollow – beschreibt den Radius der Hohlkehle unter einer Schlittschuhkufe. Ein kleiner Radius erzeugt einen tieferen und griffigeren Schliff, während ein größerer Radius einen flacheren und gleitfreudigeren Schliff ergibt.
Ob der Hohlradius in Millimetern oder in amerikanischen Zollangaben wie 3/8", 1/2" oder 5/8" angegeben wird, macht technisch keinen Unterschied. Beide Angaben beschreiben denselben Radius.
Welcher ROH am besten passt, hängt von Läufer, Sportart, Körpergewicht, Eisbedingungen und persönlichen Vorlieben ab. Deshalb lohnt es sich, unterschiedliche Radien auszuprobieren und sich schrittweise an den persönlichen Lieblingsschliff heranzutasten.
- ✅ Kleiner Radius = mehr Grip.
- ✅ Größerer Radius = mehr Gleiten.
- ✅ Innen- und Außenkante müssen immer gleich hoch sein.
Stand: 16.08.2026 – regelmäßige fachliche Überprüfung empfohlen.