Der Eismeister
Eistemperaturen in der Eissporthalle
Die richtige Eistemperatur hat großen Einfluss auf die Qualität einer Eisfläche. Sie bestimmt mit, ob das Eis hart oder weich ist, wie gut die Kufen greifen und gleiten, wie schnell die Oberfläche verschleißt und wie viel Energie die Kälteanlage benötigt.
Dabei gibt es nicht die eine perfekte Temperatur für jede Eishalle. Eishockey stellt andere Anforderungen an die Oberfläche als Eiskunstlauf, Curling oder Publikumslauf. Zusätzlich wirken Hallentemperatur, Luftfeuchtigkeit, Eisdicke, Wasserauftrag, Besucherzahl und die vorhandene Kältetechnik auf die Eisfläche ein.
Die Eisfläche sollte nur so kalt gefahren werden, wie es für die gewünschte Nutzung und Eisqualität notwendig ist. Unnötig kaltes Eis verbessert die Qualität nicht automatisch, erhöht aber den Energiebedarf.
1. Warum die Eistemperatur so wichtig ist
Wird die Eisoberfläche zu warm, wird sie weicher und kann bei starker Nutzung schneller aufgeraut werden. Spurrillen werden tiefer und es kann sich Schneematsch bilden. Wird das Eis dagegen unnötig kalt gefahren, steigt der Energiebedarf und die Oberfläche wird härter.
Die passende Temperatur ist deshalb immer ein Kompromiss zwischen der gewünschten Eisqualität, der jeweiligen Nutzung und einem wirtschaftlichen Anlagenbetrieb.
Eine Temperaturzahl allein sagt noch nicht, ob eine Eisfläche gut ist. Zwei Eisflächen können dieselbe Oberflächentemperatur besitzen und sich trotzdem unterschiedlich verhalten.
2. Welche Temperaturen müssen unterschieden werden?
Im täglichen Betrieb wird häufig einfach von der „Eistemperatur“ gesprochen. Tatsächlich gibt es mehrere Temperaturwerte, die unterschiedliche Aussagen über den Zustand der Eisfläche und der Kälteanlage ermöglichen.
- Eisoberflächentemperatur: Sie beeinflusst das unmittelbare Lauf- und Spielverhalten.
- Temperatur in der Eisschicht: Sie beschreibt den thermischen Zustand innerhalb des Eises.
- Temperatur der Betonpiste: Sie zeigt, wie kalt die Pistenplatte unter dem Eis ist.
- Verdampfungstemperatur: Sie ist ein Betriebswert der Kälteanlage und nicht mit der Eisoberflächentemperatur gleichzusetzen.
- Kälteträgertemperatur: Bei einer indirekten Kühlung sind insbesondere Vorlauf- und Rücklauftemperatur zu unterscheiden.
- Hallenlufttemperatur: Sie wirkt von oben auf die Eisoberfläche ein.
- Wassertemperatur: Sie ist ein wichtiger Wert der Eisaufbereitung und beeinflusst den Wärmeeintrag nach dem Wasserauftrag.
Diese Werte dürfen nicht miteinander verwechselt werden. Eine Verdampfungstemperatur von beispielsweise −8 °C bedeutet nicht automatisch, dass auch die Eisoberfläche −8 °C hat.
Alle sportartspezifischen Temperaturangaben in diesem Artikel beziehen sich auf die tatsächlich gemessene Eisoberflächentemperatur und nicht auf die Temperatur der Betonpiste.
3. Was beeinflusst die Eisoberflächentemperatur?
Die Eisoberflächentemperatur wird nicht ausschließlich durch die Einstellung der Kälteanlage bestimmt. Gleichzeitig wirken zahlreiche äußere und betriebliche Einflüsse auf das Eis.
- Lufttemperatur in der Halle
- relative Luftfeuchtigkeit und Taupunkt
- Wärmestrahlung von Hallendecke, Beleuchtung und anderen Flächen
- Anzahl der Besucher und Sportler
- geöffnete Tore und Außeneinflüsse
- Eisdicke
- Temperatur und Menge des Auftragswassers
- Art und Intensität der Nutzung
- Zeit seit der letzten Eisaufbereitung
- Temperaturverteilung in der Piste und im Rohrsystem
Deshalb ist es wenig sinnvoll, bei jeder Veränderung der Eisoberfläche sofort die Kälteanlage nachzuregeln. Zunächst sollte geklärt werden, warum sich die Bedingungen verändert haben.
4. Temperatur richtig messen
Für schnelle Vergleichsmessungen im täglichen Betrieb kann ein Infrarot-Thermometer verwendet werden. Es erfasst die Temperatur der Oberfläche, misst aber weder die Temperatur im Inneren der Eisschicht noch die Temperatur der Betonpiste oder der Kälteanlage.
Damit die Messwerte vergleichbar bleiben, sollten immer dasselbe Messgerät, ein ähnlicher Messabstand und ein möglichst gleicher Messwinkel verwendet werden. Außerdem müssen die Größe des Messflecks und die Einstellung des Emissionsgrades nach den Angaben des Geräteherstellers beachtet werden.
- möglichst immer dasselbe Messgerät verwenden,
- Messabstand und Messwinkel gleich halten,
- Messfleck des Gerätes vollständig auf die Eisfläche richten,
- Geräteeinstellungen nach Herstellerangaben prüfen,
- nasse und trockene Oberflächen nicht unmittelbar miteinander vergleichen,
- auffällige Werte durch eine Kontrollmessung überprüfen.
Für genauere Untersuchungen können zusätzlich geeignete Kontakt- oder Oberflächenfühler sowie fest eingebaute Temperaturfühler eingesetzt werden. Entscheidend ist, immer zu wissen, wo und mit welchem Verfahren ein Wert gemessen wurde.
5. Messpunkte und Messroutine
Die Temperatur ist nicht an jeder Stelle der Eisfläche gleich. Eine einzelne zufällige Messung reicht deshalb nicht aus, um den Zustand der gesamten Fläche zu beurteilen. Sinnvoll sind feste Messpunkte, die regelmäßig in derselben Reihenfolge kontrolliert werden.
- Mittelkreis
- beide Torbereiche
- mehrere Punkte in den Kurven
- Bereiche entlang der Bande
- Ein- und Ausfahrt der Eisbearbeitungsmaschine
- Bereiche über Vorlauf und Rücklauf, sofern deren Verlauf bekannt ist
- bekannte Problemstellen der eigenen Eisfläche
Wichtig ist weniger die genaue Anzahl der Messpunkte als eine gleichbleibende Messroutine. Nur dann lassen sich Werte über Tage und Wochen sinnvoll miteinander vergleichen.
Auch der Messzeitpunkt muss vergleichbar sein. Direkt nach einem Wasserauftrag befindet sich die Oberfläche in einem anderen thermischen Zustand als 20 oder 30 Minuten später. Der Zeitpunkt der Messung sollte deshalb im Protokoll festgehalten werden.
- Datum und Uhrzeit
- verwendetes Messgerät
- Messpunkte und Eisoberflächentemperaturen
- Hallenlufttemperatur und Luftfeuchtigkeit
- relevante Betriebswerte der Kälteanlage
- Zeitpunkt der letzten Eisaufbereitung
- Art und Umfang der Nutzung
- auffällige Beobachtungen an der Eisfläche
6. Temperatur vorausschauend steuern
Eine Eisfläche reagiert nicht sofort auf jede Veränderung der Kälteanlage. Eis, Betonpiste und Rohrsystem speichern Wärme und reagieren daher mit Verzögerung auf geänderte Einstellungen.
Eine gute Temperatursteuerung berücksichtigt deshalb den kommenden Betrieb bereits im Voraus. Ein Eishockeyspiel mit vielen Zuschauern stellt andere Anforderungen als eine Trainingszeit oder eine leere Halle in der Nacht.
Nicht erst reagieren, wenn das Eis bereits zu weich oder unnötig kalt ist. Belegungsplan, Zuschaueraufkommen, Hallenklima und Eisaufbereitung sollten frühzeitig berücksichtigt werden.
Ständig wechselnde Sollwerte sind ebenfalls nicht sinnvoll. Zunächst beobachten, messen und die Ursache der Veränderung beurteilen – anschließend gezielt nachregeln.
7. Temperatur und Energieverbrauch
Je weiter die Temperatur der Eisfläche abgesenkt wird, desto mehr Arbeit muss die Kälteanlage leisten. Deshalb sollte eine Eisfläche nicht vorsorglich möglichst kalt gefahren werden.
Besonders wichtig ist das Zusammenspiel mit der Eisdicke. Eine unnötig dicke Eisfläche erschwert den Wärmetransport zwischen Oberfläche und Betonpiste. Auch zu große Wassermengen müssen nach jeder Eisaufbereitung erneut abgekühlt und gefroren werden.
So kalt wie für die gewünschte Nutzung und Eisqualität erforderlich – aber nicht kälter als notwendig.
Eine unnötig niedrige Eisoberflächentemperatur kostet Energie. Damit die Oberfläche kälter wird, müssen auch die Betonpiste und der Kälteträger beziehungsweise das Kältemittel auf einem entsprechend niedrigeren Temperaturniveau betrieben werden. Dadurch steigt die Arbeit, welche die Kälteanlage leisten muss.
Der IIHF Ice Arena Guide 2024 nennt dazu ein anschauliches Beispiel: Wird die Eistemperatur bei einem ganzjährigen Betrieb um 1 °C angehoben, können nach Angaben des Leitfadens jährlich etwa 40 bis 60 MWh elektrische Energie eingespart werden. Zusätzlich kann der Heizenergiebedarf um etwa 70 bis 90 MWh sinken.
Der geringere Heizenergiebedarf erklärt sich dadurch, dass eine sehr kalte Eisfläche auch ihrer Umgebung Wärme entzieht. Je kälter das Eis gefahren wird, desto stärker müssen beispielsweise Hallenluft, Zuschauerbereiche oder zugeführte Außenluft wieder erwärmt werden.
Die genannten Einsparungen sind ein Beispiel aus dem IIHF-Leitfaden und dürfen nicht unverändert auf jede Eissporthalle übertragen werden. Das tatsächliche Einsparpotenzial hängt unter anderem von Anlagengröße, Betriebszeit, Hallenklima, Kältetechnik, Eisdicke und bisheriger Fahrweise ab.
Auch der Wasserauftrag und die Eisdicke beeinflussen den Energiebedarf erheblich. Für das Abkühlen von 30 °C warmem Auftragswasser bis zu einer Eistemperatur von −6 °C zeigt eine beispielhafte Betrachtung: Etwa 75 bis 80 Prozent der dafür benötigten Kühlenergie entfallen auf den eigentlichen Gefriervorgang, bei dem Wasser von 0 °C in Eis von 0 °C umgewandelt wird.
Eine weitere Beispielrechnung verdeutlicht den Einfluss der Eisdicke: Ausgehend von einer etwa 35 mm starken Eisfläche bei −6 °C kann 1 cm zusätzliches Eis ungefähr 15 bis 20 Prozent mehr Kühlenergie erfordern. Eine unnötig dicke Eisfläche muss daher dauerhaft mitgekühlt werden.
Für die Praxis bedeutet das: Die Eisoberfläche regelmäßig messen, ihre Temperatur an die bevorstehende Nutzung anpassen, nur die notwendige Wassermenge auftragen und die Eisdicke kontrollieren. Entscheidend ist nicht die niedrigste mögliche Temperatur, sondern eine gute Eisqualität mit möglichst geringem Energieeinsatz.
8. Orientierungswerte nach Nutzungsart
Je nach Sportart werden unterschiedliche Anforderungen an Härte und Beschaffenheit der Eisoberfläche gestellt. Die folgenden Werte sind praktische Orientierungsbereiche für die Eisoberflächentemperatur. Sie beziehen sich ausdrücklich nicht auf die Betonpiste, die Verdampfungstemperatur oder die Temperatur eines Kälteträgers.
Eishockey
- Eisoberflächentemperatur: −6 °C bis −3 °C
- Die Temperatur wird innerhalb dieses Bereichs an die gewünschte Härte und die tatsächliche Belastung angepasst.
Eiskunstlauf
- Eisoberflächentemperatur: −3 °C bis −2 °C
- Benötigt wird eine trockene und gleichmäßige Oberfläche mit gutem Kantenhalt.
Freier Eislauf und Publikumslauf
- Eisoberflächentemperatur: −3 °C bis −1 °C
- Die geeignete Temperatur hängt besonders von der Anzahl der Läufer und der Belastungsdauer ab.
Curling
- Eisoberflächentemperatur: −4 °C bis −2 °C
- Zusätzlich ist eine sorgfältig hergestellte und gepflegte Kieselstruktur, das sogenannte Pebble-Eis, erforderlich.
Eisstocksport
- Eisoberflächentemperatur: −7 °C bis −5 °C
- Für den Sport wird eine geeignete Riefenstruktur in der Eisoberfläche hergestellt.
Short Track
- Eisoberflächentemperatur: −1 °C bis −0,5 °C
- Erforderlich ist eine gleichmäßige und glatte Eisoberfläche.
Diese Temperaturbereiche sind Orientierungswerte und keine allgemein verbindlichen Sollwerte. Entscheidend sind das tatsächliche Verhalten der eigenen Eisfläche, die jeweilige Nutzung und gleichbleibende Messbedingungen.
9. Sicherheit bei Messungen auf dem Eis
Wer für Messungen oder Kontrollen die Eisfläche betritt, bewegt sich in einem Bereich mit erhöhter Rutsch- und Sturzgefahr. Die notwendigen Schutzmaßnahmen ergeben sich aus der Gefährdungsbeurteilung der jeweiligen Anlage und der auszuführenden Tätigkeit.
- für die Eisfläche geeignetes, rutschhemmendes Schuhwerk oder betrieblich zugelassene Hilfsmittel verwenden,
- geeignete warme Arbeitskleidung tragen,
- weitere persönliche Schutzausrüstung entsprechend der Gefährdungsbeurteilung verwenden,
- Messungen während einer laufenden Nutzung nur durchführen, wenn dies sicher und organisatorisch geregelt ist.
10. Typische Fehler in der Praxis
- ❌ Die Eisfläche grundsätzlich möglichst kalt fahren.
- ❌ Temperaturwerte verwenden, ohne den Messort zu benennen.
- ❌ Die Temperatur der Betonpiste mit der Eisoberflächentemperatur gleichsetzen.
- ❌ Nur die Betriebswerte der Kälteanlage beobachten und die Eisoberfläche nicht messen.
- ❌ Einzelmessungen an ständig wechselnden Punkten miteinander vergleichen.
- ❌ Messwerte ohne Angabe des Messzeitpunkts dokumentieren.
- ❌ Nasse und trockene Oberflächen direkt miteinander vergleichen.
- ❌ Bei schlechtem Eis sofort die Kälteleistung erhöhen, ohne die Ursache zu prüfen.
- ❌ Hallenklima, Eisdicke und Wasserauftrag bei der Beurteilung nicht berücksichtigen.
- ❌ Nach jeder kleinen Abweichung sofort den Sollwert verändern.
Probleme der Eisqualität lassen sich nicht ausschließlich über die Kälteanlage lösen. Ein stumpfes Messer, zu viel Wasser, hohe Luftfeuchtigkeit oder eine ungleichmäßige Eisfläche werden nicht dadurch behoben, dass die Verdampfungstemperatur weiter abgesenkt wird.
11. Häufige Fragen
Eine allgemein optimale Eisoberflächentemperatur gibt es nicht. Sie hängt von der Nutzungsart, der gewünschten Eisqualität, dem Eisaufbau, dem Hallenklima und der jeweiligen Anlage ab.
Als praktischer Orientierungsbereich für Eishockey gelten etwa −6 °C bis −3 °C an der Eisoberfläche. Die tatsächlich geeignete Temperatur hängt von der gewünschten Härte, der Belastung und den Bedingungen in der Halle ab.
Nein. Die Betonpiste unter dem Eis ist in der Regel kälter als die Eisoberfläche. Deshalb muss bei jedem Temperaturwert angegeben werden, wo er gemessen wurde.
Ein Infrarot-Thermometer kann für schnelle Vergleichsmessungen der Eisoberfläche verwendet werden. Messabstand, Messwinkel, Messfleck und Geräteeinstellungen müssen dabei beachtet werden.
Eine unnötig niedrige Eisoberflächentemperatur erhöht den Energiebedarf der Kälteanlage. Kälteres Eis ist außerdem nicht automatisch besser, weil die Temperatur zur jeweiligen Nutzung passen muss.
12. Fazit
Die Eisoberflächentemperatur ist ein wichtiges Werkzeug des Eismeisters, aber kein alleiniger Maßstab für gute Eisqualität. Sie muss gemeinsam mit Hallenklima, Wasserauftrag, Eisdicke, Nutzung und Eisaufbereitung betrachtet werden.
Statt die Anlage grundsätzlich möglichst kalt zu fahren, sollte die Temperatur an den tatsächlichen Bedarf angepasst werden. Regelmäßige Messungen an festen Punkten helfen dabei, Veränderungen zu erkennen und die Entwicklung der Eisfläche nachvollziehbar zu machen.
Am Ende zählt nicht der möglichst niedrige Wert auf dem Thermometer, sondern das Ergebnis auf der Eisfläche: gleichmäßiges, gut laufendes und zur jeweiligen Nutzung passendes Eis bei einem möglichst wirtschaftlichen Anlagenbetrieb.
Nicht die kälteste Eisfläche ist automatisch die beste, sondern die Eisfläche, deren Temperatur zur Nutzung und zu den übrigen Betriebsbedingungen passt.
Stand: 02.09.2026 – regelmäßige fachliche Überprüfung empfohlen.