Der Eismeister
Profiling von Schlittschuhkufen – das Längsprofil richtig verstehen
Beim Schlittschuhschleifen wird häufig zuerst über den Hohlschliff gesprochen. Mindestens ebenso wichtig für das Fahrverhalten einer Eishockeykufe ist jedoch ihre Form in Längsrichtung. Genau hier setzt das sogenannte Profiling an.
Beim Profiling wird die Längskontur der Kufe gezielt bearbeitet. Dadurch lässt sich beeinflussen, wie viel Kufenfläche Kontakt zum Eis hat, wie stabil der Schlittschuh läuft, wie leicht Richtungswechsel gelingen und wie sich der Läufer auf der Kufe positioniert.
Profiling und Hohlschliff sind dabei zwei unterschiedliche Dinge. Der Hohlschliff bestimmt vor allem den Kantengriff und das Verhältnis zwischen Grip und Gleiten. Das Profiling beeinflusst dagegen die Geometrie der Kufe in Fahrtrichtung.
Hohlschliff = Form der Kufe im Querschnitt.
Profiling = Form der Kufe in Längsrichtung.
1. Was ist Profiling?
Beim Profiling – auch Konturschliff genannt – wird die Form einer Eishockeykufe in Längsrichtung bearbeitet. Betrachtet man eine Kufe von der Seite, ist sie nicht gerade, sondern leicht gebogen.
Diese Biegung bestimmt unter anderem, welcher Bereich der Kufe auf dem Eis aufliegt und wie sich dieser Kontaktpunkt beim Beschleunigen, Bremsen, Kurvenfahren oder Rückwärtslaufen verschiebt.
Ziel des Profilings ist es, diese Längsform gezielt und reproduzierbar festzulegen.
Beim Profiling wird nicht die Schärfe der Kante verändert, sondern die Form der gesamten Kufe.
2. Unterschied zwischen Profiling und Hohlschliff
Der Hohlschliff und das Profiling werden häufig miteinander verwechselt, obwohl sie unterschiedliche Bereiche der Kufe betreffen.
- Hohlschliff / ROH: beschreibt den Querschnitt der Kufe und beeinflusst vor allem Grip und Gleiteigenschaften.
- Profiling: beschreibt die Längsform der Kufe und beeinflusst unter anderem Wendigkeit, Stabilität, Aufstandsfläche und Balance.
Zwei Kufen können deshalb den gleichen Hohlschliff besitzen und sich trotzdem unterschiedlich fahren, wenn ihre Längsprofile voneinander abweichen.
3. Arbeitsradius und Standardradius
Der mittlere Bereich einer Eishockeykufe wird häufig über einen Radius beschrieben. Dieser sogenannte Arbeitsradius wird traditionell in Fuß angegeben.
Typische Angaben sind beispielsweise:
- 9' = Radius von 9 Fuß
- 10' = Radius von 10 Fuß
Ein Fuß entspricht ungefähr 30,5 cm. Ein Radius von 9 Fuß entspricht damit rund 2,74 Metern.
Dieser Wert beschreibt nicht die Länge der Kufe, sondern den gedachten großen Kreis, dessen Abschnitt die Biegung der Kufe bildet.
Die Fußangabe beim Profiling hat nichts mit dem ROH des Hohlschliffs zu tun. Beim Profiling beschreibt sie die Längsbiegung der Kufe.
4. Die Aufstandsfläche der Kufe
Durch die gebogene Form liegt eine Eishockeykufe nicht über ihre gesamte Länge gleichzeitig auf dem Eis auf. Nur ein bestimmter Bereich hat bei neutraler Stellung direkten Kontakt zur Eisfläche.
Dieser Bereich wird als Aufstandsfläche oder Auflagefläche bezeichnet.
Beim Beschleunigen, Bremsen oder Kurvenfahren verschiebt sich die belastete Zone nach vorne oder hinten. Die Länge und Position dieser Aufstandsfläche werden wesentlich durch das Profil beeinflusst.
Ein größerer Radius erzeugt grundsätzlich eine längere Aufstandsfläche. Ein kleinerer Radius führt zu einer kürzeren Kontaktzone.
5. Pitch oder Lie – die Neigung der Kufe
Neben dem Radius spielt auch die Position des Profils unter dem Schlittschuh eine Rolle. Diese Ausrichtung wird häufig als Pitch oder Lie bezeichnet.
Bei einer neutralen Einstellung liegt der Schwerpunkt möglichst mittig auf der Kufe. Wird das Profil nach vorne oder hinten verschoben, verändert sich entsprechend die Grundposition des Läufers.
Eine starke Verschiebung kann das Laufverhalten deutlich verändern. Deshalb sollte eine Veränderung des Pitch gezielt und nicht zufällig erfolgen.
Für eine sachliche Grundeinstellung wird zunächst eine möglichst neutrale Position des Schwerpunktes in der Kufenmitte betrachtet.
6. Vorderer, mittlerer und hinterer Kufenbereich
Für das Profiling lässt sich eine Eishockeykufe vereinfacht in drei Bereiche unterteilen:
- Vorderer Bereich: beeinflusst unter anderem Antritt, Abrollen und Richtungswechsel.
- Mittlerer Bereich: bildet den zentralen Arbeits- und Gleitbereich.
- Hinterer Bereich: beeinflusst unter anderem Stabilität und Laufruhe.
Ein einfaches Standardprofil verwendet über einen größeren Bereich der Kufe einen gleichmäßigen Radius. Bei komplexeren Profilen werden dagegen unterschiedliche Radien miteinander kombiniert.
7. Kleine und große Radien
Die Größe des Profilradius beeinflusst das Fahrverhalten.
- kürzere Aufstandsfläche
- höhere Wendigkeit
- direkteres Einlenken
- geringere Laufruhe
- längere Aufstandsfläche
- mehr Stabilität
- mehr Laufruhe
- geringere Wendigkeit
Deshalb gibt es auch beim Profiling nicht den einen Radius, der für alle Anforderungen gleichermaßen geeignet ist.
8. Kombinations- und Mehrfachprofile
Bei modernen Profilen können mehrere Radien innerhalb einer Kufe miteinander kombiniert werden.
Ziel ist es, unterschiedliche Eigenschaften in verschiedenen Bereichen der Kufe miteinander zu verbinden. So kann beispielsweise im vorderen Bereich ein kleinerer Radius und im hinteren Bereich ein größerer Radius verwendet werden.
Dadurch können Wendigkeit, Abrollverhalten, Aufstandsfläche und Stabilität innerhalb einer Kufe unterschiedlich beeinflusst werden.
Unterschiedliche Bereiche der Kufe erhalten unterschiedliche Radien, weil sie beim Eislaufen unterschiedliche Aufgaben übernehmen.
9. Quad-Profil als Beispiel
Ein bekanntes Beispiel für ein Mehrfachprofil ist das sogenannte Quad-Profil.
Dabei werden vier unterschiedliche Radien hintereinander in einer Kufe kombiniert. Die konkrete Zusammenstellung kann je nach Profilvariante unterschiedlich sein.
Das Prinzip bleibt jedoch gleich: Der vordere, mittlere und hintere Bereich der Kufe werden unterschiedlich geformt, damit verschiedene Laufeigenschaften miteinander kombiniert werden können.
Neben Quad-Profilen existieren auch Zwei- und Drei-Radius-Profile sowie weitere Profilvarianten.
10. Warum neue Runner nicht immer identisch sind
Auch neue Kufen beziehungsweise Runner sollten nicht automatisch als vollkommen identisch betrachtet werden.
Fertigungstoleranzen können dazu führen, dass sich linker und rechter Runner eines Paares geringfügig unterscheiden. Bei einem professionellen Profiling kann deshalb überprüft werden, ob beide Kufen tatsächlich dieselbe Längsform besitzen.
Beide Runner eines Schlittschuhpaares sollten möglichst dasselbe Profil besitzen, damit das Fahrverhalten auf beiden Seiten reproduzierbar bleibt.
11. Refinish des Profils
Das einmal geschliffene Profil bleibt nicht unbegrenzt unverändert.
Bei jedem normalen Nachschleifen wird Material von der Kufe abgetragen. Besonders wenn über längere Zeit unterschiedlich stark im vorderen oder hinteren Bereich geschliffen wird, kann sich die ursprüngliche Längskontur langsam verändern.
Deshalb kann es sinnvoll sein, das Profil nach längerer Nutzung erneut zu kontrollieren und gegebenenfalls wiederherzustellen. Dieser Vorgang wird häufig als Refinish bezeichnet.
Profiling ist deshalb nicht zwingend ein einmaliger Vorgang für die gesamte Lebensdauer einer Kufe. Durch regelmäßiges Nachschleifen kann sich das Profil mit der Zeit verändern.
12. Fazit
Profiling beschreibt die gezielte Bearbeitung der Längsform einer Eishockeykufe. Dabei werden Radius, Aufstandsfläche und gegebenenfalls die Position des Schwerpunktes beeinflusst.
Kleine Radien sorgen grundsätzlich für mehr Wendigkeit, größere Radien für mehr Stabilität und Laufruhe. Durch Mehrfachprofile können verschiedene Radien innerhalb einer Kufe miteinander kombiniert werden.
Wichtig ist außerdem die klare Trennung zum Hohlschliff: Während der Hohlschliff den Querschnitt und damit vor allem den Kantengriff bestimmt, beeinflusst das Profiling die Form der Kufe in Längsrichtung.
- ✅ Profiling beschreibt die Längsform der Kufe.
- ✅ Hohlschliff und Profiling sind zwei unterschiedliche Schleifparameter.
- ✅ Das Profil kann sich durch wiederholtes Nachschleifen verändern und bei Bedarf erneut hergestellt werden.
Stand: 16.08.2026 – regelmäßige fachliche Überprüfung empfohlen.